Der zentrale Platz für die Deportationen: Der Hannoversche Bahnhof

Heute befindet sich am ehemaligen Standort des Hannoverschen Bahnhof eine Gedenkstätte an die Deportation der Jüdinnen und Juden von 1940 – 1945. Der heutige Lohseplatz heißt nach Hermann Lohse, einem Baumeister der Cöln-Mindener Eisenbahn, der mal der Hannoversche Bahnhof gehörte. Der Lohse-Platz ist der Vorplatz des Hannoverschen Bahnhofs. Ab 1868 gebaut, 1870 fertig gestellt, 1872 unter dem Namen „Pariser Bahnhof“ eröffnet. Von hier fuhr man Richtung Süden, erst bis Harburg, dann nach Hannover, auch nach Bremen. Als 1906 der Hauptbahnhof eröffnet wurde, wurde der Hannoversche Bahnhof zum Güterbahnhof. Im Jahr 1955 wurden Gebäude des Bahnhofs, die den Krieg überstanden hatten, gesprengt, später weitere Teile abgerissen. Dort, wo sich das Bahnhofsportal befand, von dem kein Stein mehr übrig ist.

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Deportation von Juden, Roma und Sinti sowie der Strafdivision 999

In den Jahren der Nazi-Barbarei war der Bahnhof zwischen 1940 und 1945 zentrale Stelle für die Deportation von Jüdinnen und Juden. Dabei dürfte die trotz der Nähe zum Stadtzentrum randständige Lage des Bahnhofs im Sinne der Verantwortlichen gewesen sein, da Deportationen vom „Hauptbahnhof vermutlich ein zu großes öffentliches Aufsehen erregt hätte[n]. Dennoch waren die Deportationen vom Hannoverschen Bahnhof kein Geheimunternehmen, das der Hamburger Öffentlichkeit verborgen blieb.“

Zwischen dem 20. Mai 1940 und dem 14. Februar 1945 verließen Hamburg vom Hannoverschen Bahnhof aus 17 Transporte, mit denen 7692 Jüdinnen undJuden in osteuropäische Ghettos (Lodz, Minsk, Riga, Theresienstadt) oder Vernichtungslager (Auschwitz-Birkenau, Bełżec) deportiert wurden. Mindestens 6500 von ihnen fanden dort den Tod, wahrscheinlich überlebten wesentlich weniger als 1000 Personen.

Am 16. Mai 1940 nahmen sechs Kommandos der Kriminalpolizei etwa 550 Sinti und Roma in Hamburg fest, weitere etwa 200 aus Schleswig-Holstein und rund 160 aus Bremen. Sie wurden vier Tage lang im Fruchtschuppen 10 am Magdeburger Hafen interniert. Am 20. Mai 1940 deportierte in die Arbeitslager der Gemeinde Bełżec. Im März 1943 werden 328 Sinti und Roma aus Hamburg nach Auschwitz verschleppt, im April 1944 findet man noch 26 Kinder und Jugendliche. . Fast alle der aus Hamburg deportierten Sinti und Roma sterben in Auschwitz in der Nacht vom 2. auf den 3. August 1944, bei der von der SS „Liquidierung des Zigeunerlagers“ genannten Mordaktion. Ein paar hunderte Meter weiter, auf der Baakenbrücke, ist eine Hinweistafel für die deportierten Sinti und Roma, doch der Fruchtschuppen C im so genannten „Magdeburger Hafen“, in dem die Sinti waren, bevor sie in den Tod geschickt wurden, stand im Rücken der Tafel Der Fruchtschuppen C wurde 1949 abgerissen.

Zu den Deportierten über den Hannoverschen Bahnhof gehört auch rund 2000 Personen der sogenannten 999er– Zwangsrekrutierte der Strafdivision 999

Ort des Gedenkens

Als Ort des Gedenkens an dieses bisher kaum beleuchtete Kapitel der Hamburger Stadtgeschichte entsteht bis 2022 im und am Lohsepark die aus drei Elementen bestehende Gedenkstätte denk.mal Hannoverscher Bahnhof. Neben dem zentralen Gedenkort am unter Denkmalschutz stehenden Relikt des Bahnsteigs 2 umfasst die Gedenkstätte als zweiten Ort die sogenannte „Fuge“, die vom ehemaligen Bahnhofsvorplatz (Lohseplatz) entlang dem historischen Gleisverlauf bis hin zum Bahnsteig durch den Park führt. Drittens wird bis 2022 ein Dokumentationszentrum, mit einer Fläche von circa 700 Quadratmetern für Ausstellungs- und Veranstaltungsräume, errichtet. Dieses entsteht in direkter visueller Beziehung zum historischen Gedenkort auf der Westseite des Parks. Kernelement des Dokumentationszentrums wird eine von der KZ-Gedenkstätte Neuengamme geleitete Dauerausstellung zum Schicksal der deportierten norddeutschen und Hamburger Bürger sein.

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