„Judenhäuser“ Schäferkampsallee 25/27

1928 hatten die Deutsch-Israelische Gesellschaft das Doppelhaus in der Schäferkampsallee 25/27 gekauft. Im Haus 25 wurde 1936 ein Jugendunterkumft „Mittleren Beth Chaluz“ eingerichtet, in dem 14 – 17 jährigen für die Zeit der Ausbildung in einer Haschara-Werkstatt. Im Haus 25 befand sich im Erdgeschoss ein Kinderhort.

aus: Wegweiser zu ehemaligen jüdischen Stätten in Hamburg Heft 2 Wilhelm Mosel, 1986

Seit 1932 soll das Haus 27 für eine Volksküche der Deutsch-Isrealischen Gesellschaft genutzt worden. Der Zweck der Volksküche bestand historisch dadrin, Durchreisenden jüdischen Armen an Sabath Speisung zu geben, da sie am Sabath nicht zu Abreise angehalten werden konnten.

In dieser Situation der gesellschaftlichen Isolierung und Verfolgung gewann die jüdische Gemeinde als gesellschaftlicher Mittelpunkt an neuer Bedeutung. Sie war fortan nicht nur Zentrum für das religiöse Leben, sondern bot Versorgungseinrichtungen an, die die Not mildern sollten. Dazu zählte bis Ende November 1941 die Essensausgabe an bedürftige Gemeindemitglieder im Heim Innocentiastraße und ab 1941 in der Volksküche in der Schäferkampsallee 27. 

1941 etwa gab die Volksküche in der Schäferkampsallee rund 73.000 Portionen Mittagessen aus, also rund 207 Mahlzeiten pro Tag. 1942 musste sie schließen. 

SOPHIE COHN * 1873 von 1938 an arbeitete sie zugleich in der Volksküche der Deutsch-Israelitischen Gemeinde an der Schäferkampsallee 27. Geleitet wurde diese Volksküche von jener Charlotte Gurwitsch, geborene Baruch, die Sophie Cohn in ihrer Karte an Max Plaut erwähnte. Das Haus neben dem Gebäude mit der Volksküche, die Nummer 29, hatte die Deutsch-Israelitische Gemeinde bereits 1898 erworben, um dort ein Siechenheim einzurichten. 1928 kaufte sie das Nebengrundstück mit den bis dahin vermieteten Doppelhäusern Nr. 25 und 27 hinzu. Sie nutzte die Gebäude für wechselnde karitative Aufgaben, so für ein Jüdisches Jugendheim, einen Kinderhort oder eben ab 1933 für eine Volksküche.

aus: Wegweiser zu ehemaligen jüdischen Stätten in Hamburg Heft 2 Wilhelm Mosel, 1986

Heute stehen auf den ehemaligen Gründstücken Neubauten und lediglich die Stolpersteine vor dem Haus 27 erinnern an die deportierten Jüdinnen und Juden. Die Hausnummer 25 gibt es heute nicht mehr.

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