Einladung der Nachbarschaft um die Weidenallee 10b

Am 9./10. November 1938 zerstörten SS-Truppen in Hamburg hunderte jüdische Geschäfte und Einrichtungen. Die Pogrome markierten den Übergang von der Diskriminierung der deutschen Juden seit 1933 hin zur systematischen Verfolgung, die später in den Holocaust mündete. Am Abend des 9. November 1938 sprach “Reichspropagandaminster” Josef Göbbels von einer “Jüdischen Weltverschwörung“ und  lobte die angeblich „spontanen“ judenfeindlichen Aktionen.  Anlässlich der November-Pogrome 1938 in Deutschland möchten wir in unserem Wohngebiet an diesem Tag der Verfolgung jüdischer Menschen in unserem Wohngebiet zu erinnern. 

Kerzen an den Stolpersteinen ein Zeichen setzen

Vor Ihrem Haus befinden sich Stolpersteine. Sie sollen an die Opfer der NS-Diktatur erinnern. Sie erinnern an die ehemaligen Mieter in Ihrem Haus und deren letzte frei gewählte Wohn- adresse, bevor sie ermordet bzw. in die Vernichtungslager und KZ deportiert wurden. In Hamburg werden an Stolpersteinen am 9. November Kerzen leuchten. Es ist eine Form der Erinnerung, aber auch ein sichtbares Zeichen an diesem Tag, dass Antisemitismus und Rassismus bei uns keinen Platz haben darf. Erinnern Sie mit einer Kerzen am Stolperstein vor Ihrem Haus an die NS-Opfer und leisten einen stillen Beitrag.

Virtuelle Kundgebung zu den November-Pogromen im Weidenviertel um 18 Uhr

Am 9. November 2020 führen wir eine virtuelle Kundgebung um 18 Uhr durch, um an das Geschehen zu erinnern. Zeitzeugen und Angehörige von NS-Opfern aus unserem Wohngebiet kommen zu Wort. Wir bieten außerdem einen virtuellen Rundgang zu Stolpersteinen im Viertel an.  Zu einzelnen würden Verwandte, Patinnen der Stolpersteine oder deren Biographie-Autorinnen etwas erzählen.

Ehemalige Lehrlinge der jüdischen Werkschule am 9. November 2020 zu Gast

Zu der Geschichte ihres historischen Wohnumfelds haben wir Sie immer mal wieder in Kenntnis gesetzt. Ob es Ihre gewissermaßen jüdischen Nachbarn wie die Familie von Halle aus der Weidenallee 8a oder dem Ausbildungsleiter der Tischler-Lehrlinge, Jacob Blanari, der in der Weidenallee 10a mit seiner Frau Theophile und ihre drei Kindern wohnte.  Erzählt haben wir etwas zur jüdischen Werkschule in der Weidenallee 10b, die hier von 1935 bis 1941 war.  Oder zu den sowjetischen Zwangsarbeiter in der Schraubenfabrik Wilhelm von 1941 bis 1945. Auf unser virtuelle Kundgebung werden zwei ehemalige jüdische Lehrlingen aus der Werkschule aus der Weidenallee 10b sprechen. Sie haben hier 1938/1939 das Tischler- oder Schlosserhandwerk lernten. Kenneth Hale hieß damals noch Klaus Heilbut. Heute ist er 98 Jahre alt und lebt in New York. Er konnte 1939 nach England fliehen und lebt seit 1946 in den USA. Er und sein Bruder wurden am 10. November 1938 von den Nazi verfolgt und verletzt. Kurt Goldschmidt ist heute 97 Jahre alt und lebt ebenfalls in New York. Er lehrte Schlosser bis 1941 und wurde im Februar 1945 nach Theresienstadt deportiert. Zwei Monate später wurde er von der Roten Armee befreit und lebt seit Jahrzehnten in den USA. Beide werde aus New York zu den Teilnehmer/innen am 9. November 2020 zu uns sprechen. 

Der Enkel von Jacob und Theophile Blanari, die am 8. November 1941 nach Minsk deportiert und ermordet wurden, wird ebenfalls auf der Kundgebung zu Wort sein und zu Wort kommen. Benjamin Blanari ist heute 78 Jahre und lebt in Spanien. An Jacob und Theophile Blanari erinnern am Eingang in den Hinterhof zwei Stolpersteine. Der 98-jährige Kenneth Hale hat noch manch Erinnerung an ihn.

Der Kontakt mit den drei Herren und deren Familie sind alles andere als traurig. Sie nehmen es respektvoll zur Kenntnis, dass an ihre ermordeten Familienmitglieder erinnert wird und das es Menschen gibt, aber das es in Deutschland keine Gleichgültigkeit gibt. Das motiviert sie, an das Vergangene zu erinnern. Nicht, damit wir traurig sind.

Zugang zur virtuellen Rundgang und Kundgebung

Um an der virtuellen Kundgebung und Rundgang teilnehmen zu können, benötigen Sie einen PC/Mac bzw. Smartphone. Hier die Adresse https://cern.zoom.us/j/97849740505 Wenn Sie Fragen haben, können Sie uns auch mailen weidenviertel@gmail.com.

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