Esther Bauer aus der Israelitischen Töchterschule

Esther Bauer war 13. März 1924 in Hamburger geboren. Sie überlebte Theresienstadrt, Auschwitz, das KZ Friedberg und Mauthausen. 2016 starb sie im Altern von 92 Jahren in New York, ihre neuen Heimat seit 1946.

Ihre Eltern waren Marie Anna Levinsohn und Alberto Jonas. Sie waren seit 1923 verheiratet  und wohnten zuerst in der Grindelallee 12. Dr. Alberto Jonas, geboren 19. Februar 1889,  war Oberlehrer an der Talmud Tora Realschule. Dr. Marie Anna Levinsohn, geboren am 12. Januar 1893, schrieb ihre Doktorarbeit 1922 und erhielt 1923 die Approbation. 1924 wurde Alberto Jonas zum Direktor der Israelitischen Töchterschule in der Carolinenstraße ernannt, wo seine Frau den Posten der Schulärztin antrat. 1925 zog die Familie nach Eppendorf, in den Woldsenweg 5 um. Der Kellinghusenpark in Eppendorf war einer der Spielplätze von Esther Jonas. Als 15-Jährige muss Esther den Judenstern tragen und darf ihren geliebten Park nicht mehr betreten. Der Parkwächter Vogel verwehrt ihr den Eintritt. 

In den Räumen der Israelitischen Töchterschule unterrichtete Marie Jonas Biologie und Gesundheitslehre. Ihre Schüler und Schülerinnen waren jugendliche Teilnehmer und Teilnehmerinnen an Berufslehrgängen zur Auswanderungsvorbereitung. Auch die Schülerin der Israelitischen Töchterschule, Esther Jonas gehörte dazu, die ebenfalls eine Emigration nach Palästina ins Auge gefasst hatte, ohne ihre Eltern, allein mit anderen Jugendliche.

Marie Anna Jonas arbeitete nach dem Verlust ihrer Arbeit Schulärztin ehrenamtlich am Universitätskrankenhaus Eppendorf, später am Israelitischen Krankenhaus in der Simon-von-Utrecht-Straße aus. Als 1938 den jüdischen Ärzten die Zulassung entzogen wurde, arbeitete sie als Krankenpflegerin, versorgte, insbesondere nachts, alte Menschen in ihren Wohnungen.

Alberto Jonas begleitete Kindertransporte nach England und kehrte stets aus Sorge um seine Familie pünktlich zurück. Im Frühjahr 1940 wurde ihm als Direktor der jetzt zusammengelegten jüdischen Schulen die Auswanderung untersagt, lange vor dem generellen Auswanderungsverbot im Herbst 1941. Im Frühjahr 1942 musste Familie Jonas die Wohnung am Woldsenweg 5 verlassen und ein Zimmer in einem „Judenhaus“ am Laufgraben 37 beziehen.

Am 15. Juli 1942 wurde die Familie über die Schule Schanzenstraße nach Theresienstadt deportiert: „Mein Vater musste sich immer bei der Gestapo melden. Und leider war der Herr Göttsch sehr nett zu meinem Vater. Er hat nicht “Sau-Jude” gesagt. “Dr. Jonas, setzen Sie sich hin.” Auf dem Bahnsteig am (Hannoverschen Bahnhof) nach Theresienstadt war der da  und ich hörte, wie zu zum meinem Vater sagte, grämen Sie sich nicht, Dr. Jonas. Sie werden wieder ihre Schule haben, sie werden sehen, wie schön das dort ist. Am nächsten Tag musste mein Vater Kohlen schaufeln. Er war kein starker Mann, er konnte das gar nicht. Er hat immer nur studiert. Nach sechs Wochen ist er … gestorben.“

Die 18-jährige Esther lernt am ersten Tag in Theresienstadt einen jungen Koch Hanuš Leiner kennen und heiratete ihn.  Am 28.Setpember 1944 wurde er nach Auschwitz-​Birkenau deportiert. Dieser Transport umfasste 2488 Personen, 2015 überlebten nicht.  Als ihr Mann 1944 in ein anderes Lager deportiert wurde, ließ sie sich ebenfalls in einen Transport einreihen. „Er wurde aus Theresienstadt weggeschickt. Sie brauchten Männer, so und so viele für Dresden, um ein neues Lager aufzubauen. War alles Lüge. Und eine Woche später wurde gesagt, wir können unseren Männer nachgehen. Und natürlich habe ich das gemacht. Meine Mutter sagte, bleib hier, bleib hier. Nein sagte ich, ich gehe. Ich tue immer, was mein inneres mir sagt, habe ich ihr gesagt – und kam auch in Auschwitz an. Meinen Mann habe ich nie wieder gesehen.“

Nach zehn Tagen in Auschwitz wird sie nach Freiberg in Sachsen in eine Rüstungsfabrik gebracht zur Zwangsarbeit. Kurz vor Kriegsende wird sie mit weiteren 1000 Frauen ins KZ Mauthausen verschleppt und dort endlich befreit. Die Befreiung erlebte sie im KZ Mauthausen in der Nähe von Linz. Ihre Mutter wurde in Auschwitz-Birkenau ermordet. 

Esther Bauer kehrte nach der Befreiung nach Hamburg zurück, wo ihr von der Besatzungsbehörde ein Zimmer in der elterlichen Wohnung in Eppendorf zugewiesen wurde. Dort lebte jedoch nach wie vor jener Mann, der von der „Wohnraumarisierung“ profitiert hatte, nachdem die Familie in ein „Judenhaus“ umziehen musste. Für kurze Zeit wohnt sie mit ihrem Freund in Bremen, emigriert aber 1946 in die USA. Gleich am ersten Tag in New York, in einer Eisdiele, trifft sie Werner Bauer, ebenfalls ein jüdischer Emigrant. In einem Interview über seine Frau hat Bauer gesagt, sie „erinnere sich nur an die guten Sachen“. Sie entgegnet: „Ich habe mir sofort gesagt, ich fange ein neues Leben an, mache einen Strich drunter, es ist vorbei.“ Sie heirateten und sie arbeitete zunächst im Textilgeschäft ihres Mannes, später in einer großen Werbeagentur.

In den letzten 30 Jahren ihres Lebens beginnt sie, als Zeitzeugin über ihre Erlebnisse zu erzählen. Esther Bauer sorgte mit dafür, dass die ehemalige Israelitische Töchterschule, die von der Volkshochschule seit 1988 als Gedenk- und Bildungsstätte betrieben wird, nach ihrem Vater benannt wurde und setzte sich auch dafür ein, dass ein Platz in Hamburg-Eppendorf den Namen ihrer Mutter trägt.

Für ihre Aufklärungsarbeit erhielt sie 2007 das Bundesverdienstkreuz. Ihre Lebensgeschichte inspirierte die Regisseurin Christiane Richers zu den Theaterstücken „Esther Leben“ und „Das ist Esther“.

https://youtube.com/watch?v=RvPAocEB7bw%3F

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