Aufruf zum Live-Stream am 8. April 2021 17 Uhr

Wir möchten Ihnen die Geschichte einer Schulleiterin erzählen, die im April 1942 die Aufnahme jüdischer Schülerinnen und Schüler der Israelitischen Töchterschule in der Karolinenstraße ablehnte. Am 15. und 19. Juli 1942, drei Monate später, wurden 32 der jüdischen Schulkinder über den Schulhof nach Theresienstadt deportiert. Drei von ihnen überlebten, nach schlimmen Martyrien.

Emma Lange, so hieß die Schulleiterin der damaligen Volksschule Schanzenstraße, handelte im Auftrag der Hamburger Schulbehörde. Die hatte sich mit der Gestapo abgestimmt, wie man es erreicht, dass – so deren Sprache – die „Judenschule“ im Karolinenviertel geschlossen wird. Emma Lange lieferte mit einem furchtbaren antisemitischen Schreiben den Vorwand für den sogenannten Reichsstatthalter von Hamburg, Karl Kaufmann, die Israelitische Töchterschule zu schließen.

Unsere Absicht ist, Ihnen in einer szenischen Lesung anhand zeitgenössischer Dokumente das Zusammenspiel von Schulbehörde und Gestapo zu verdeutlichen.

Wir wollen Ihnen die Geschichte von Erika Estes erzählen, die auf die Israelitische Töchterschule ging und an der Ecke Vereinsstraße/Fruchtallee wohnte. Sie überlebte den Holocaust. Sie werden die heutige 98-Jährige live aus New York hören.

Sie werden hoffnungsvolle Briefe von jüdischen Schülerinnen hören, die am 19. Juli 1942 nach Theresienstadt deportiert wurden, aber den Glauben an die Zukunft nicht aufgaben.

Anfang diesen Jahres haben sich die Leitungen der heutigen Ganztagsgrundschule Sternschanze und der Gedenkstätte der Israelitischen Töchterschule erstmals getroffen und über dieses Schreiben gesprochen. Es war das erste Mal, dass sich diese Einrichtungen 79 Jahre nach dem üblen antisemitischen Brief von Emma Lange darüber austauschten und ihre gleichen Haltungen zum Ausdruck brachten. Heute weiß man um die Verantwortung, dass sich diese Geschichte nicht wiederholen darf. Die Gedenkstätte in der Karolinenstraße ist heute ein Ort der Information und Aufklärung über die NS-Zeit. In der Ganztagsgrundschule Sternschanze arbeiten heute nicht nur Lehrerinnen und Lehrer, sondern auch Erzieherinnen und Erzieher sowie Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen in multiprofessionellen Teams eng zusammen. Eine sehr engagierte Elternschaft bringt sich in das Schulleben aktiv ein.

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