MOPO: Was die Nazis Hamburgs jüdischen Kindern antaten

Die MOPO erzählt in ihrer Ausgabe vom 3. April 2021 aus dem Leben von Erika Estis, geborene Freundlich. Die 98-Jährige lebt heute in New York. In den 1920/1930er Jahre ging sie im Hamburger Karolinenviertel zur Israelitischen Töchterschule. „Aufgewachsen ist sie in einem Haus Ecke Fruchtallee, Vereinsstraße, in dem ihr Vater Paul Freundlich seit 1910 eine Apotheke betrieb. „Direkt darüber war unsere Wohnung. Nach Hitlers Machtergreifung wurden wir von Nachbarskindern gemieden und beschimpft, Jungs zeigten uns stolz ihre HJ-Uniformen.“ Mit Schaudern denkt sie an den 1. April 1933, den Tag des „Judenboykotts“, als SA-Männer mit weißer Farbe „Jude“ auf die Schaufensterscheibe der Apotheke schmierten und draußen Posten bezogen.“ Erika Estis dürfte die älteste noch lebenden Schülerin des jüdischen Schule in der Karolinenstraße sein.

Gegenstand des Artikels in der MOPO ist der Brief der Emma Lange vom 2. April 1942, der damaligen Schulleiterin der Schule Schanzenstraße. „In dem Brief an die Schulbehörde heißt es: An die Anwesenheit von Juden sei das Umfeld ihrer Schule „nicht gewöhnt“. Jüdische Kinder würden den „guten Ruf der Schule gefährden“. „Besser gestellte Personen aus den Vorderhäusern“ und „Parteigenossen unter den Eltern“ würden ihre Kinder bestimmt sofort umschulen. Jüdische und nicht jüdische Kinder, die gemeinsam ihre Pausen auf dem Schulhof verbringen – ein solches „enges Beisammensein arischer Personen mit jüdischen Kindern muss im Dritten Reich als unhaltbar abgelehnt werden.“

Emma Langes Protest verfehlte seine Wirkung nicht. Hamburgs Reichsstatthalter Karl Kaufmann, der oberste Nazi in der Stadt, beendete den Streit und erließ am 29. April 1942 eine Verfügung, wonach „eine Unterrichtung von Judenkindern in Schulen sofort aufzuhören“ habe. Drei Monate später wurden sämtliche jüdischen Schüler Hamburgs, ihre Eltern und ihre Lehrer ins KZ Theresienstadt deportiert …“

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