Sowjetische Zwangsarbeiterinnen in der Bellealliancestraße 58

Die Häuser in der Bellealliancestraße 54-56 gehörten Hans Steinberg. Ihm gehörte auch die harefa-Atlantic Hamburger Regenmäntelfabrik Steinberg & Co. in der Bellealliancestraße 58. Heute gibt es den Gewerbekomplex hinter ihren Häusern in der Bellealliancestraße 54-56 bzw. der Fettstraße 34-38 nicht mehr. Hans Steinberg war Jude und sah sich gezwungen, sein Unternehmen, die Harefa-Atlantic, 1936 an einen „Arier“ zu verkaufen, Walter Sittig.

1938 mussten die Steinbergs auch ihre Mietshäuser in der Bellealliancestraße 54-56 und der Glashüttenstraße 78/79 an Sittig (und Kurt Broschek) verkaufen. Juden durften kein Eigentum mehr haben und wurde zur Veräußerung gezwungen. Man sprach damals von der so genannten “Arisierung”, heute von Raubkauf.

Sowjetische Zwangsarbeiterinnen in der Bellealliancestraße 58

Walter Sittig produzierte u.a. Mäntel für die SS und SA. Das Unternehmen beschäftigte damals über 300 Menschen, von denen immer mehr als Soldaten an die Kriegsfront abgezogen wurden. Sittig brauchte Ersatzarbeitskräfte und setzte 50 sowjetische Zwangsarbeiter in seiner Fabrik in der Bellealliancestraße 58 seit November 1942 ein. Die sowjetischen Frauen mussten am Ende des Arbeitstages in die Glashüttenstraße 78/79 gehen.

Kohl, Neels und Eisfeld in der Fettstraße 26/28

Das Unternehmen Kohl, Neels & Eisfeld hatte seinen Sitz in der Fettstraße 26/28. Es gibt es heute nicht mehr. Der Heizungsbauer war u.a. am Bau von Zwangsarbeitslager und KZ-Einrichtungen beteiligt. Dafür setzte es Zwangsarbeiter aus vielen Ländern ein, dazu gehörten ab Ende 1943 auch italienische Militärinternierte.

In Hamburg waren insgesamt über 15.000 italienische Militärinternierte als Zwangsarbeiter beschäftigt. Insgesamt waren es rund 500 Hamburger Unternehmen, die IMIs einsetzen. Sie wurden auf 200 Lager verteilt. Etwa 1.400 IMIs verloren in Hamburg ihr Leben. Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter wurden bei uns in den Straßenzügen nicht nur im Hinterhof in der Bellealliancestraße 58 in der NS-Zeit eingesetzt. Gefunden wurde weitere Unternehmen, die sie u.a. für ihre Rüstungsproduktion in der Weidenallee 10b oder 37, in der Fruchtallee 32 oder im Kleinen Schäferkamp 50 einsetzen.

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