Erinnerung an November-Pogrome 1938 um 17 Uhr vor der Karolinenstraße 35, Gedenkstätte der Israelitischen Töchterschule

Die Nachbarschaft im Karolinenviertel ist über einen Flyer und über Plakate in den Straßenzügen eingeladen worden, sich am 9. November 2021 um 17 Uhr in der Gedenkstätte der Israelitischen Töchterschule in der Karolinenstraße 35 zu treffen, um an die November-Pogrome zu erinnern. Wer möchte, kann danach mit zur Stolperstein-Verlegung um 18 Uhr am Bahnhof Sternschanze teilzunehmen.

Liebe Nachbarn,

am 9./10. November 1938 zogen SS, SA und die Hitlerjugend durch Hamburg, zerschlugen jüdische Einrichtungen und Unternehmen. Nach Zeitzeugenberichten von Schülerinnen der Israelitischen Töchterschule aus der Karolinenstraße 35 war die Hitlerjugend, die ihren Sitz auch in den Räumen in der Schule Kampstraße 58  hatte, am 9./10. November 1938 mit dabei, sie zu verfolgen und zu schlagen. Hunderte jüdische Menschen in Hamburg wurden in diesen Tagen festgenommen und viele von ihnen ins KZs verschleppt. 

Anlässlich der November-Pogrome 1938 wollen wir mit verschiedenen Initiativen, Gruppen und Vereinen in den Stadtteilen zwischen Heiligengeistfeld und Schlachthof sowie rund um den Sternschanzen-Bahnhof daran erinnern. Wir laden Sie gerne zu

Dienstag, den 9. November 2021 um 17 Uhr vor der  Gedenkstätte der Israelitischen Töchterschule in der Karolinenstraße 35

ein. 

Ab 1938 erfuhr die antisemitische Hetze der Nazis eine neue Qualität und es begannen die ersten Deportationen. 1941 begannen die Massendeportationen jüdischer Menschen in die Gettos und Vernichtung, in die Konzentrationslager. Eine der größten Deportationen aus Hamburg fand am 15. und 19. Juli 1942 über die damalige Volksschule Schanzenstraße gegenüber dem Sternschanzen-Bahnhof statt.

Gerne möchten wir Sie auch einladen, mit uns zusammen am Dienstag, den 9. November 2021 zur heutigen Ganztagsgrundschule Sternschanze zu gehen, wo um 18 Uhr auf Höhe des Gehweges der Schanzenstraße 103 eine Stolperschwelle verlegt wird. Sie soll an die 13 Schülerinnen und Schüler der Israelitischen Töchterschule aus der Karolinenstraße 35 erinnern, deren Schule zum Mai 1942 geschlossen worden war und die am 15. und 19. Juli 1942 nach Theresienstadt deportiert wurden. Eine Stolperschwelle ist eine größere Form eines Stolpersteine, die an NS-Opfer auf den Gehwegen unserer Stadt, wie z.B. im Karolinenviertel, erinnern. Stolpersteine finden Sie in der Marktstraße, Karolinenstraße, Grabenstraße, Glashüttenstraße oder Laeiszstraße. 

Heute ist die Israelitische Töchterschule eine Gedenkstätte, ist ein wichtiger Erinnerungs- und Lernort in unser Stadt, aber auch für deren Gäste aus aller Welt. Angehörige ehemaliger jüdischer Schülerinnen und Schüler besuchen sie. 

Es gibt noch weitere NS-Spuren im Karolinenviertel. Mit der Machtübernahme der Nazis in Hamburg wurden z.B.  jüdische und politisch unbequeme Lehrer/innen 1933 aus dem Schuldienst entfernt. So die jüdischen Lehrerinnen Martha Nathan in der Schule Laeiszstraße oder Dorothea Elkan in der “Taubstummenschule” in der Kampstraße 58. Mit ihr wurde auch Louis Satow im August 1933 aus der Schule geschmissen, weil er der Freidenker Gemeinde angehörte. Es gibt auch die Spuren der sogenannten „Arisierung“ aus 1938/1939 wie zum  Beispiel die Regenmäntelfabrik Steinburg in der Glashüttenstraße 78/79 oder dem Korsettfabrik  Hinrichsen & Co in der Glashüttenstraße 40. Sie finden noch heute das Logo des damaligen jüdischen Unternehmens am Gebäude. Die jüdischen Eigentümer mussten an „Arier“ verkaufen. Genannt sei als ein weiterer Teil der NS-Geschichte das kürzlich dargestellte Lager für italienische Militärinternierte in der Schule Kampstraße 60, die als Zwangsarbeiter von die Stadt und Unternehmen ausgebeutet wurden. 

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