150 Menschen nahmen an der Kundgebung zur Erinnerung an die November-Pogrome 1938 teil

An der Kundgebung zur Erinnerung an die November-Pogrome 1938 und zur Verlegung einer Stolperschwelle 2021 vor der Ganztagsgrundschule Sternschanze im Schanzenviertel haben 150 Menschen aus dem Viertel um die S-Bahnstation Sternschanze teilgenommen. Am Abend standen an vielen Stolpersteinen Kerzen.

Kevin Hale aus den USA, dessen Vater bis 1939 in der jüdischen Werkschule in der Weidenallee 10 bc den Beruf eines Tischlers erlernte und am 9. November 1938 von den Nazi auf dem Weg nach Hause gejagt wurde, erinnerte an die November-Pogrome. Er betonte die Notwendig, in einer offenen Gesellschaft zu leben. Der Rabbiner war morgens mit einer Schulklasse zu Stolpersteinen im Weidenviertel gegangen und auch in der Weidenallee 10 bc.

Um 17 Uhr fand die Eröffnung der Aktivität zur Erinnerung am 9. November 1938 vor und in der Gedenkstätte der Israelitischen Töchterschule statt. Im Juli 1942 wurden 13 Schülerinnen und Schüler der jüdischen Schule über die damalige Volksschule Sternschanze nach Theresienstadt deportiert. Die Stolperschwelle soll an sie erinnern.

Auf der Kundgebung vor dem Sternschanzen-Bahnhof nahm auch sie auf das historische Ereignis Bezug und betonte: „Die Pogromnacht im November 1938 war das Datum, an dem der jüdischen Bevölkerung ohne jeden Zweifel innerhalb weniger Stunden klarwurde, dass die fünf Jahre Entrechtung, die bereits hinter ihnen lagen, keine Phase waren. Ihnen wurde klar, dass vielmehr ihr Leben bedroht war. Nach den zwei Tagen, in denen in Hamburg nicht nur die Bornplatzsynagoge verbrannte, sondern auch rund 1000 Männer verschleppt wurden, war nichts mehr, wie davor. Das gesamte Kollegium der Talmud Tora Schule sowie einige Oberstufenschüler wurden verhaftet und zunächst ins Zuchthaus Fuhlsbüttel gebracht.“ In ihrer Rede ging sie auch die Schlußfolgerungen für heute heute und den konkreten Anlass ein. „Wenn Gedenken zu einem symbolischen Akt wird, zur großen Geste, fehlt der Blick auf den einzelnen Menschen in der Geschichte, Schicksale werden zu Beispielen und Zeichen. Es ist wichtig, sich mit dem ganz Konkreten auseinanderzusetzen, um das Verstehen des Gewesenen nicht zu einem reinen Akt der Selbstvergewisserung seiner selbst heute werden zu lassen. Die Brüchigkeit, das unvollständige Bild, die Widersprüche in der Geschichte sind es, die zum Nachdenken anregen, nicht das eine Narrativ, die eine Geschichte.“

Svenja Hohnke, Schulleiterin der Ganztagsgrundschule Sternschanze, betonte in ihrer Rede u.a., dass man als Schule auch eine große Verantwortung für die Schülerinnen und Schüler hat. Zu „dieser Verantwortung gehört auch das Erinnern an grauenvolle Kapitel deutscher Geschichte und das Lernen daraus. Denn mittlerweile scheinbar festverankerte Werte wie Demokratie, Freiheit, Vielfalt, Toleranz, soziale Sicherheit, Bildung und Frieden, sind brüchig und nicht selbstverständlich. Diese müssen täglich bekräftigt und vorgelebt werden. ..Es sind traurige Geschehen, an die heute erinnert wird und auch die Stolperschwelle erzählt von einer belasteten Geschichte. Sicher, man muss, um den Text der Schwelle zu lesen, den Kopf nach unten beugen, aber weiter kommt man mit wachsamem Blick.“

Stolperschwelle konnte nicht verlegt werden

Leider konnte die Stolperschwelle nicht verlegt werden, da ihr Versand nach Hamburg über die DHL nicht funktioniert hatte. Der Veranstalter hat sich für dafür entschuldigt. Noch ist nicht geklärt, wohin die DHL sie geliefert hat. Ein neuer Termin ist in Planung, dafür muss die Stolperschwelle erst einmal in Hamburg sein.

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