Ein Stolperstein für Wilhelm Buch in der Amandastraße 35

Am 19. März 2022 wurde ein Stolperstein für Wilhelm Buch verlegt. Er lebte mit seiner Familie in der Eimsbütteler Amandastraße 35. Im März 1943 stirb er im KZ Neuengamme.

In der Amandastraße gibt es bereits mehrere Stolpersteine. Erst kürzlich wurde einer für Emil Tiessat vor der Amandastraße 41 (wohnte in 61) verlegt. Er war 1944 als Hundefriseur denunziert worden, weil er sich angeblich gegen den Krieg ausgesprochen haben soll. Dafür wurde er hingerichtet. Neben ihm liegt ein Stein für Friedrich Stoltenberg, der Elektriker im Hansa Theater gewesen war und für seine politische Widerstandsarbeit als KPD-Mitglied ermordet wurde. Vor der (jetzt gerade Baustelle) Amandastraße 76/78 befindet ein Stolperstein für Fritz Edelstein. 1936 saß er wegen „Rassen- schande“ in Untersuchungshaft, da er Jude war. Demnach wurde er des angeblichen sexuellen Kontakts mit Prostituierten beschuldigt: „Auch diese Form des Geschlechtsverkehrs mit einer Arierin, selbst wenn sie ein Kontrollmädchen ist, fällt unter das Verbot der Nürnberger Gesetze“, hieß es im Hamburger Anzeiger vom 23. Februar 1937. Er war bei der Kontaktaufnahme zu den Prostituierten beobachtet worden. Er wurde wegen “Rassenschande” für 1 ½ Jahre Zuchthaus verurteilt. Nach dem Zuchthaus Fuhlsbüttel wurde er ins KZ Dachau und von dort nach Buchenwald bei Weimar verschleppt. Am 28. Februar 1941 wurde er dort ermordet.

Wilhelm Buch, für den jetzt ein Stolperstein vor der Amandastraße 35 verlegt werden soll, wurde am 3. Juli 1893 in Kiel-Gaarden geboren und erlernte den Beruf eines (Eisen)Drehers. Er war seit Dezember 1906 mit der am 14. September 1885 geborenen Lina Wagner verheiratet. Sie hatten ein Kind, Wilhelm, geboren 1906. Ab 1910 wohnten sie in der Susannenstraße 3. 1921 zogen sie in die Amandastraße 35, ins Vorderhaus. 

Mit dem Machtantritt der Nazis 1933 änderten sich die politischen Rahmenbedingungen grund- legend. KPD, SPD und die Gewerkschaften wurden deutschlandweit verboten und deren Mitglieder verfolgt. Bereits im Februar 1933 stecken die Nazis den Reichstag in Brand und nutzen dies als Vorwand zur Verfolgung der politischen Gegner. Walter Buch sen., seit 1929 in der KPD, seine Frau Lina und ihr Sohn, Wilhelm Buch jr. waren in Hamburg bereits im Juli 1933 in Schutzhaft genommen worden. Wilhelm Buch sen. war ein Jahr, bis zum 12. Juni 1934, in Fuhlsbüttel in Schutzhaft. Der Vorwurf: Hochverrat. Er hätte mit seiner Absende-Adresse für Briefe der illegalen KPD als eine Art “Kurier” fungiert. “Buch ist Mitglied der illegalen KPD gewesen und hat seinen Namen als Deckadresse zur Verfügung gestellt”, heißt es in einem Bericht der damaligen Kriminalpolizei. Er soll in “Besitz einer Maizeitung gewesen sein”, sagte sein Sohn später. Wilhelm Buch sen. wurde dafür zu einer Gefängnisstrafe verurteilt und saß von November 1934 bis September 1935 in Lübeck im Gefängnis. 

Staatsarchiv Hamburg, 351-11_30988

Am 13. November 1941 wurde er erneut festgenommen. Der Vorwurf lautete, dass er für 25 RM eine Pistole besorgt und einem Kriminellen für 30 RM verkauft haben sollte. Aus den Unterlagen der Kriminalpolizei geht allerdings hervor, dass sein Sohn die Waffen auf seiner Arbeitsstelle bei der Kampnagel AG für 25 RM gekauft und für 30 RM weiterverkauft hatte. Wilhelm sen. wurde zu einer Gefängnisstrafe von vier Monate verurteilt, die am 20. März 1942 endete. Danach wurde er nicht freigelassen, sondern ins KZ Neuengamme überstellt. Dort stirbt er am 24. März 1943. Seine Frau erhält die Mitteilung, dass ihr Mann verstorben sei. “Eine Sterbeurkunde können Sie gegen Einsendung von RM -. 72 beim Standesamt Hamburg-Neuengamme anfordern.”

Vor kurzem wurden bei uns im Viertel Stolpersteine für Herbert Strzoda in der Lindenallee 74 und Willie Tiedt in der Weidenallee 61 verlegt. Auch sie wurden, wie Wilhelm Buch sen., bereits 1934 wegen Hochverrats verurteilt und später ermordet. Beide hatten bei uns im Wohngebiet den SPD-Widerstand organisiert, in dem sie den Kontakt zu deren Mitgliedern hielten und sie auch mit Informationsblättern versorgten. Ob Sozialdemokraten oder Kommunisten, die gegen die NS-Diktatur auf verschiedene Weise den Widerstand mit organisierten, alle wurden frühzeitig verfolgt. Diese beiden Parteien, und ihr Eintreten für die Verteidigung der Demokratie und gegen Krieg, sollte gebrochen werden. Sie waren die ersten, die mit Mitteln der Justiz in die Gefängnisse und Konzentrationslager überstellt wurden. 1933 hatte die NSDAP bei den Landtagswahlen in Hamburg, auch nach der Bestellung Adolf Hitlers am 31. Januar 1933 zum Reichskanzler durch Hindenburg, nicht die Mehrheit. Es kam es zu einer Koalition mit den damals bürgerlichen Parteien, der Deutschen Staatspartei, der Deutschen Volkspartei (DVP) und der Deutschnationalen Volkspartei (DNV) und der NSDAP. Nur so konnte sie regieren. Die politischen Gegner von KPD und SPD mussten zerschlagen werden, was durch die Verhaftungen (Schutzhaft) ihrer aktiven Mitglieder organisiert wurde.

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