Ein Stolperstein für Adolph Salomon, Beim Schlump 9

Jetzt wurde ein Stolperstein für Adolph Salomon, Beim Schlump 9, verlegt. Hier lag bisher einer für Jakob Hecht. In der NS-Zeit wurden die jüdischen Menschen ab 1939/1940 massenhaft gezwungen, in „Judenhäusern“ zu leben, auch in der Agathenstraße 3. Adolph Salomon wurde am 15. Juli 1942 über die Schule Schanzenstraße beim Bahnhof Sternschanze nach Theresienstadt/Terezin deportiert. Er ist dort am 21. Mai 1944 ums Leben gekommen. Es waren die furchtbaren Umstände in den Ghettos, wie die hygienischen Verhältnisse, die medizinische Versorgung, Unterernährung u.a.m. Für uns ist es heute nicht vorstellbar, aber massenhaft übertrugen Läuse Flecken Typhus und allein daran starben tausende jüdische Menschen in Theresienstadt/Terezin, ergaben meine Recherchen.

Adolph Salomon wurde am 30. Dezember 1875 in Hamburg geboren und erlernte den Beruf eines Kaufmanns. Im 1. Weltkrieg war er Soldat. Er heiratete Chaje Anna Friedmann und betrieb mit ihr zusammen in der Elbstraße 101 ein familiäres Geschäft für Damenhüte und Putzartikel. Sie hatten vier Kinder. Das Paar trennte sich und die Weltwirtschaftskrise 1929 unterspülte seine Einkommensmöglich- keiten. Er arbeite immer wieder als sogenannter “unständiger Hafenarbeiter“. Heute würde man sage, er war Zeitarbeitnehmer. Damals war es das Arbeitsamt, das für die Hafenunternehmen die Vermittlungsarbeit übernahm. Am 21. April 1931 stürzte Adolph Salomon am Schuppen 24 am Versmannkai (Afrika-Handel) beim Entladen von der Bahnrampe und brach sich ein Bein. Er lag 18 Wochen im Hafenkrankenhaus. Eine Thrombose führte dazu, dass sich sein Krankenhausaufenthalt (im AK St. Georg) um 13 Wochen verlängerte. Sein Schaden war so groß, dass er 1932 zu 100 Prozent “erwerbsgemindert” war. Er bezog daraufhin eine Unfallrente von monatlich 102 RM.

Staatsarchiv Hamburg. 351-14_365

Mit dem Machtantritt der Nazi 1933 änderte sich das Leben grundlegend. SPD, KPD und die Gewerkschaften wurden zuerst verboten, dann wurden jüdische und unliebsame Beamte noch 1933 aus dem Schuldienst entlassen und zwangs- verrentet. Der Antisemitimus war vom Bereich der Politik, der täglichen Hetze und der Verfolgung auf die Ebene des Staats gehoben worden. Die Unfallversicherung, von der Adolph Salomon die Rente bezog,  gehörte zur Sozialbehörde und deren Beschäftigten beteiligten sich aktiv an der Verfolgung. In einem Schreiben aus der Fürsorgestelle Hamburg, vom Oberregierungsrat Heine, an die Kriminalpolizei vom 13. Mai 1937 hieß es, dass man vermute, dass Salomon heimlich arbeite, da er den ganzen Tag nicht zu Haus sei und der “Rentenempfänger – der Jude ist – .. sich betätigt.” Die Polizei möge “Ermittlungen anzustellen, wo sich der Rentenempfänger tagsüber aufhält.” Auch seine Vermieterin im Herrengraben 87 vermute es, hieß es im Schreiben. Die Ermittlungen endeten in heißer Luft:  Salomon besuchte mehrmals wöchentlich seinen Arzt zur Behandlung und auch sonst ergab er sich nicht seiner Behinderung. Er besuchte Freunde und Verwandte, wie seine Kinder oder hielt sich im Laden seiner geschiedenen Frau auf. Politisch aber reduzierte man seine Unfallrente. “Nach Kenntnisnahme der polizeilichen Ermittlungen halte ich es für angebracht, die Rentenherabsetzung auf 70 % … vorzunehmen”, auch wenn der “klinische Befund im Wesentlichen unverändert ist”, schreibt ein Arzt.

Wie allen jüdischen Menschen erlebte auch Adolph Salomon die verschärfte Verfolgung nach den Novemberpogromen 1938. So wurde ihnen 1939 das Wohnrecht genommen. Salomon musste sich immer wieder neue Unterkünfte suchen. Er lebte in dieser Zeit auch zur Untermiete Beim Schlump 9. Es folgten Unter- künfte in „Judenhäusern“ in der Dillstraße oder der Beneckestraße. Im März 1942 musste er in die Massenunterkunft für jüdische Menschen in der Agathenstraße 3 ziehen. Hier lebten auf 10 Wohnungen verteilt 1941/1942 über 70 Personen. Am 15. Juli 1942 wurden alle Bewohner:innen aus dem Haus über die Schule Schanzenstraße nach Theresienstadt/Terezin deportiert. Die Wohnungen wurden versiegelt, das zurückgebliebene Eigentum wurde in der NSDAP-Anlaufstelle in der Altonaer Straße gesammelt und vor dort an die staatlichen Stellen weitergegeben, wo sie dann versteigert wurden.

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