Dr. Berthold Loewy, Weidenallee 63a

Dr. Berthold Loewy arbeitete als niedergelassener Arzt bis 1938 in der Weidenallee 63a. Er war ein jüdischer Zahnarzt, der vom NS-System gezwungen wurde, seine Praxis zum 30. September 1938 aufzugeben. Loewy hatte sie im oberen Erdgeschoss des damaligen Hauses trotz der antisemitischen Hetze in Deutschland die Praxis in der Weidenallee von Dr. Zacht, einschließlich der gesamten Einrichtung, erst 1936 übernommen. 

Berthold Loewy wurde am 18. Dezember 1890 in der Nähe von Breslau geboren und war mit Clara Windweh verheiratet. Sie wurde am 10. Mai 1905 geboren. Seit 1933 wohnte das Paar in der Rothenbaumchaussee 26 bis zum Umzug in die Weidenallee 63a.

Unmittelbar nach der Machtübernahme durch die Nazis 1933 wurde jüdischen Kassenärzten die Berufsausübung untersagt (“nicht-arische Ärzte”), es sei denn, sie waren im Ersten Weltkrieg als Frontsoldaten auch als Arzt tätig gewesen. Aus dem öffentlichen Gesundheitswesen wie z.B. den Krankenhäusern, wurden sie ebenfalls 1933 vertrieben. So erging es z.B. den Ärzten im Elisabeth-Krankenhaus Kleiner Schäferkamp, heute ein Altenheim. Vor dem Gebäude erinnern heute zwei Stolpersteine an zwei jüdische Ärzte, Cäsar Wolf und Dr. Paul Bonheim.

Zum 30. September 1938 wurden jüdischen Ärzten endgültig die Approbation entzogen, so dass auch Dr. Berthold Loewy keine staatliche Zulassung als Zahnarzt mehr hatte. Sie durften lediglich bei widerruflicher Genehmigung als „Krankenbehandler“ weiterarbeiten. Das Führen der Bezeichnung „Arzt“ war ihnen untersagt. Den „Krankenbehandlern“ war nur noch gestattet, jüdische Menschen sowie ihre Partner/innen und Kinder zu behandeln. Ob Dr. Loewy als Zahnarzt nach 1938 unter diesen Bedingungen noch arbeitete, ist zur Zeit nicht bekannt. 1941 übernahm ein Dr. Lorch die Wohnung in der Weidenallee. Seit 1939 war den jüdischen Menschen das Wohnrecht entzogen worden, so dass sie von dem einen zum anderen Tag durch die Gestapo gezwungen werden konnten, ihre Wohnung zu verlassen.

Aus den Unterlagen zur Zwangsversteigerung der Praxiseinrichtung von Dr. Loewy ergibt sich, dass er in ein „Judenhaus“ in der Hartungstraße 9/11 ziehen musste. Darauf weist ein Protokoll hin, in dem von der Versteigerung von “den eingelieferten Gegenständen von Dr. Loewy in die Hartungsstraße 9“ die Rede ist. Diese Judenhäuser waren Massenunterkünfte für jüdische Menschen und wurden später auch als kleine Gettos bezeichnet.  Aus den Meldekarteien habe ich erfahren, dass Loewy noch in die Hartungstraße 9-11 und in die Schlüterstraße 63 als Untermieter einzog. Von hier aus musste er am 31. März 1942 in das Judenhaus in der Bundesstraße 43 ziehen. 

Staatsarchiv Hamburg 213-13_8443

Am 19. Juli 1942 wurde er über die Schule Schanzenstraße nach Theresienstadt/Terezin in der CSR deportiert und später für tot erklärt. Seine Frau Clara überlebte den Holocaust.

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