Vor der Bartelsstraße 18 liegt ein Stolperstein für Elsa Zwickel. Sie wohnte hier bis zu ihrer Deportation am 6. Dezember 1941. Am 8. Dezember 2025 soll mit einer Kundgebung um 17 Uhr Schanzenstraße/Ecke Lagerstraße an sie und die Menschen erinnert werden, die damals nach Riga verschleppt wurden.

Der Anlass: Ein Teil der Deportierten von am 6. Dezember 1941 sollen über die Veterinärstation am Schlachthof und über den Viehbahnhof Sternschanze zur zentrale Deportations-Station „Hannoverscher Bahnhof“ (heute Hafencity) transportiert worden sein. Von dort ging es nach Riga.
Fast tausend jüdische Menschen waren es an diesem Tag. 34 von ihnen kamen aus den Stadtteilen um den Sternschanzen-Bahnhof. So aus der Bartelsstraße, dem Schulterblatt oder der Altonaer Straße. Insgesamt überlebten nur 27, davon Rosalie Hansen aus dem Schulterblatt 84.
Der Schlachthof ist der zweite Ort im Viertel, über den eine Deportation jüdischer Menschen in der NS-Zeit erfolgte. Im Juli 1942 wurden 1.500 Menschen über die Schule Schanzenstraße verschleppt, unter den Blicken der Nachbarn vor Ort und in den umliegenden Straßenzügen. Beim 6. Dezember 1941 ist bisher nicht bekannt, wie viele Menschen sich im großem Raum in der Veterinärstation (heute La Torre) einfinden mussten. Dass nach 84 Jahren erstmals an diesen Ort der Deportation erinnert wird, verdeutlicht für mich, wie einst unsere Gesellschaft sich nach 1946 nicht erinnern wollte.
Wer war Elsa Zwickel?
Sie wurde am 7. März 1900 in Hamburg. Bis 1932 wohnte sie mit ihrer Schwester, Rosa, ihrem Mann Conrad und deren Sohn in der Rendsburger Straße 8 an der Reeperbahn. Bis zum Tod wohnte auch ihre Mutter bis 1928 dort. Zum Oktober 1933 zog die Familie Scheck/Zwickel in die Bartelsstraße 18, im 1. Stock.
Die Gewährleistung ihres eigenes Lebens wurde durch psychische und körperliche Einschränkungen belastet. Aus den Unterlagen ergibt sich mir, dass sie seit 1931 auf öffentliche Hilfe angewiesen war. Bis dahin arbeitete sie als Haushaltshilfe („Reinmachefrau“). In den Akten fand sich eine Bescheinigung, dass ihr Wochenlohn zwischen 0,30 und 0,50 Reichsmark lag, so dass sie immer auch wieder Mittel von der Fürsorge bekam. Zeitweilig unterstützte die jüdische Gemeinde ihr Mitglied Elsa Zwickel mit finanziellen Mitteln. Sie mussten aber im Sommer 1938 eingestellt werden.
Da sie von dem Nazis als „geistesschwach“ angesehen wurde, war das nach ihrer Auffassung auch eine „Schaden für das deutsche Blut“, wurde sie 1937 zwangssterilisiert. Im September 1936 beantragte die Fürsorge, eine Zwangssterilisation zu prüfen. Am 26. November 1937 wurde sie zwangsweise in die Frauenklinik Finkenau eingewiesen und misshandelt. In der NS-Zeit wurden in Hamburg vermutlich 19.000 Menschen zwangssterilisiert. Die Nazis bezeichneten Obdachlose, kranke Menschen oder Prostituierte als unwertes Leben und ließen sie zwangssterilisierten.
Wann Elsa Zwickel ermordet wurde, ist nicht bekannt. Damals wurden alleine im Dezember 1941 etwa 8.500 Menschen aus Deutschland und Österreich per Eisenbahn nach Riga deportiert. Viele Tausend wurden unmittelbar nach Ankunft ermordet oder kamen später ums Leben. Zwischen drei und vier Prozent aller nach Riga Verschleppten überlebten den NS-Terror. Rosalie Hansen aus dem Schulterblatt 84 war eine der 27 Überlebenden von den fast 1.000 aus Hamburg am 6. Dezember 1941. Am 2. November 1943 wurde das Rigaer Ghetto vollständig geräumt. Arbeitsfähige Juden wurden in das Konzentrationslager Kaiserwald (Mežaparks) überstellt, während Alte, Kranke und Kinder nach Auschwitz deportiert oder ermordet wurden.
Warum erinnern?
Bis vor einigen Monaten hätte ich mir nicht vorstellen, dass es Menschen gibt, die in größerem Umfang Stolpersteine beschmieren. Im August 2025 wurden Steine in der Bartelsstraße, im Karolinenviertel, aber auch in anderen Städten Deutschland, grün besprüht. Was sonst nur Nazis machen, diesmal waren es Islamisten, um mit ihren antisemitischen Motiven zu provozieren.
