Am 6. Dezember 1941 wurden aus Hamburg 753 jüdische Menschen nach Riga deportiert. Die Veterinärstation des Schlachthofs an der Lagerstraße 1/Ecke Schanzenstraße (heute OMR) soll einer der Orte gewesen sein, über die die Verfolgten vom Bahnhof Sternschanze zum Hannoverschen Bahnhof (heute HafenCity) verschleppt wurden, um von dort aus nach Riga deportiert zu werden. Mit einer Kundgebung am Montag, den 8. Dezember 2025, möchten wir an dieses furchtbare Geschehen in unserer Nachbarschaft erinnern.
Die meisten Deportierten vom 6. Dezember 1941 stammten aus Hamburg; Unter ihnen waren auch Bewohner:innen des Schanzenviertels. Nur wenige der Menscheb überlebten. Eine von ihnen war Rosalie Hansen aus dem Schulterblatt 84.
Mit der Kundgebung soll an die jüdischen Menschen erinnert werden, die über die Veterinärstation verschleppt wurden. Es handelte sich um ein öffentliches Geschehen, das jedoch weitgehend aus dem kollektiven Gedächtnis verdrängt wurde. Mit der Kundgebung und ihrer öffentlichen Bewerbung möchten wir dazu beitragen, dies zu verändern. Die NS-Verbrechen in Deutschland sind heute Teil des öffentlichen Bewusstseins. In vielfältiger Form wird an das historische Geschehen erinnert. Im Schanzenviertel zeugen Stolpersteine in fast jeder Straße sichtbar von den Opfern. Dass jedoch ein Teil der Deportation vom 6. Dezember 1941 über den Schlachthof/Viehbahnhof am Bahnhof Sternschanze erfolgte sein sollte, gehört bisher nicht zum allgemeinen Wissen im Viertel.
Die Veterinäruntersuchungsanstalt der Gesundheitsbehörde, die seit 1920 für das Veterinärwesen auf dem Hamburger Schlachthof zuständig war, befand sich bis Juli 1943 in der Lagerstraße 1. Die Räumlichkeiten wurden später durch Bomben zerstört. Der Restbetrieb lief zunächst in den Kellerräumen weiter, bevor der Umzug in die Lagerstraße 2 erfolgte. Im Erdgeschoss der Veterinärstation befand sich eine große Untersuchungshalle – vermutlich der Ort, in dem die Deportierten festgehalten wurden.
Es geht uns um das Erinnern, um die Teilhabe im Viertel, um das Wissen um diesen Ort und den Blick auf die Opfer, auch die aus dem Schanzenviertel. Zugleich soll es ein Zeichen sein, dass wir als Nachbar:innen Verantwortung übernehmen: dafür, dass nicht vergessen wird, und dass es Formen gibt, sich mit diesem Teil unserer Geschichte auseinanderzusetzen.
Zur Kundgebung am 8. Dezember 2025 im Schanzenviertel rufen auf: Gedenkstätte Israelitische Töchterschule, Initiative “Kein Vergessen im Weidenviertel”; Jesus Center e.V.; Mieter helfen Mieter e.V., St. Pauli Archiv; SC Sternschanze; Höllenhunde e.V.; Stadtteilbeirat Schanzenviertel;karostolpert – eine Initiative im Karoviertel, die sich mit den Menschen und ihren Biografien hinter den Stolpersteinen beschäftigt“, TEAM SHOSHANA PRIDE – JÜDISCH & VIELFÄLTIG – HAMBURG; Emilie Licari (GRÜNE), Ricardo Gonzales (LINKE), Patrick Fischer (VOLT), Gregor Werner und Patrick Müller-Constantin (beide SPD)— alle Abgeordnete der Bezirksversammlung Hamburg-Altona