Gedenktafel auf dem Schulgelände Schanzenstraße

Die Schule und der Schulhof Schanzenstraße 105 waren am 15. und 19. Juli 1942 Sammelpunkt für die Deportation von über 1.692 Jüdinnen und Juden. 1980 wurde auf Initiative des Historiker Wilhelm Mosel eine Erinnerungstafel an dem Schulgebäude angebracht, um der Deportierten zu gedenken, aber auch mit dem Hinweis: Seid auch heute wachsam.

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Die Volksschule an der Schanzenstraße 107 wurde 1894 ins Leben gerufen und 1896 wurde der Schulbetrieb aufgenommen. 1906 wurde noch eine Turnhalle gebaut. Die damalige Volksschule war eine Einrichtung für Mädchen und Jungen.

Erinnerungen an die Deportationen von 15. und 19. Juli 1942

Am 2. April 1942 führte die Schulleitung »dringliche« Gründe an, um die von der Schulverwaltung der Hansestadt beabsichtigte Verlegung einer »Judenschule« in die Klassenräume des Schulgebäudes zu verhindern: »Der unbestreitbar ›gute‹ Ruf der alten Mädchenvolksschule Schanzenstraße würde mit einem Schlag schwer geschädigt werden, wenn jüdische Kinder im Schulgebäude Schanzenstraße 105/Altonaer Straße 58 untergebracht würden. Der für die Judenschule vorgesehene Stock sowie der Schulhof Altonaer Str. 58 lägen nicht etwa abgeschlossen, sondern vielmehr für die Blicke der umwohnen Familien sichtbar da. Die Umgebung der Schule sei an die jüdische Bevölkerung nicht gewöhnt.« (Mosel 1985: 11f.)

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Die entwürdigenden Umstände am Sammelpunkt Schanzenstraße (gelegentlich wird auch die Hausnummer 120 als Adresse genannt) hat Wilhelm Mosel dokumentiert; er gibt den Bericht von einer Frau S. aus dem Jahr 1984 wieder, die am 19. Juli 1942 – »einem strahlend sonnigen Tage« – Verwandte in der Schule Schanzenstraße aufsucht: »Die Tante und der Onkel seien im zweiten Stock der Schule untergebracht gewesen. Es seien dort in den Klassenräumen doppelstöckige Luftschutzbetten aufgestellt gewesen. Sie habe die alten Leute gefasst, wenn auch resigniert und traurig vorgefunden. Sie hätten gewusst, dass sie nicht zurückkehren würden. Schließlich hätten alle heruntergemusst.
Die Mitarbeiter der Gemeinde (des Jüdischen Religionsverbandes), die in der Regel freien Zugang bei den Deportationen gehabt hätten und auch zahlreich gewesen seien und den Menschen geholfen hätten, hätten nun zum Teil das Gepäck der Leute heruntergetragen. Im übrigen hätten die Menschen ihre letzten Habseligkeiten selbst heruntertragen müssen. Auf den Schulhofs der Schule hätten inzwischen Mannschaftswagen der Polizei gestanden, die mit Bänken ausgestattet gewesen seien. Hier habe sie mit ansehen müssen, wie die alten Leute in den Rücken getreten worden seien, wenn sie nicht schnell genug die hohen Klapptritte der Wagen hätten erklimmen können. Sie (Frau S.) habe noch gedacht, hier gebe es so viele Fenster von den umliegenden Häusern, ob die Leute das wohl sehen würden, und was dabei wohl in ihnen vorgehen würde.« (Mosel 1985: 19)

Zu den vom Schulhof nach Theresienstadt Deportierten gehört auch Ludwig Louis Bermann, der 1934 mit seiner Familie von Bad Pyrmont nach Hamburg übersiedelt. In Theresienstadt sind alle »Gebäude überbelegt. Es gibt unzureichend Nahrung. Krankheiten und Seuchen grassieren.« (Wunder 2011) Bermann wird am 28. Oktober 1944 nach Auschwitz weiter deportiert und dort vergast. Sein Koffer, auf dem der Name, das Geburtsdatum und die Bezeichnung »Hamburg« deutlich lesbar sind, gehört in der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau zu den Ausstellungsstücken. Sie erinnern daran, dass niemand und nichts vergessen werden darf.

Ungeklärte Deportationen über den Bahnhof Sternschanze

Ebenfalls nach Angaben von Wilhelm Mosel hat eine Zeitzeugin erwähnt, dass bis zu 100 jungen Menschen über den Viehbahnhof Sternschanze deportiert wurden. Bis heute ist dieser Abschnitt nicht aufgeklärt und historisch aufgearbeitet worden, soll aber im Zusammenhang mit der Dokumenten-Center Hannoversche Bahnhof noch einmal verfolgt werden.

aus: Wegweiser zu ehemaligen jüdischen Stätten in Hamburg Heft 2 Wilhelm Mosel, 1986
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