Gertrud Stern wurde am 9. August 1909 in Hamburg geboren. Ihre Eltern waren Willy und Mina Nadel. Nach dem Tod seiner ersten Frau heiratete ihr Vater in zweiter Ehe Emma Stern. Gertrud besuchte die Schule bis zu ihrem 16. Lebensjahr und begann danach eine Lehre, wahrscheinlich als Einzelhandelskauffrau. Nach Abschluss ihrer Ausbildung in der Zeit der Weimarer Republik arbeitete sie unter anderem als Verkäuferin bei Karstadt.
Mit der Machtübernahme der NSDAP und anderer rechter Parteien im Jahr 1933 – die NSDAP hatte keine absolute Mehrheit – veränderte sich das Leben jüdischer Menschen grundlegend. Nach dem Tod ihres Vaters im Jahr 1936 wohnte Gertrud mit ihrer (Stief-)Mutter in der Kiebitzstraße 24. Das Ehepaar Hannah und Walter Bonnier war Untermieter bei den Sterns. Gertrud schrieb später, dass „von dem Tag an er (Walter) auch dauernd Unannehmlichkeiten hatte. Er wurde beschimpft und die Gestapo war dauernd vor der Tür.“
Von 1935 bis 1937 arbeitete sie als Verkäuferin beim Herrenausstatter Leyser in der Wandsbeker Chaussee, einem jüdischen Unternehmen. Dessen Umsatz litt massiv unter der antisemitischen Hetze – innerhalb von fünf Jahren war er um 50 Prozent zurückgegangen –, sodass sie dort schließlich nicht länger beschäftigt werden konnte. Ab Juli 1937 bis zum 2. Dezember 1941 wurde sie in Hamburger Betrieben zur Zwangsarbeit verpflichtet, weil sie Jüdin war.
Deportation nach Riga
Bevor sie am 6. Dezember 1941 deportiert wurde, musste sie ihr Gepäck, das sie nach Riga mitnehmen wollte, in der Israelitischen Töchterschule im Hamburger Karolinenviertel abgeben. Die Gestapo nutzte die Turnhalle der jüdischen Schule, um den Deportierten ihre Habseligkeiten abzunehmen. Abfällig sprach man von „Judengut“.

Am Tag der Deportation durfte Gertrud Stern nur Dinge des unmittelbaren Bedarfs in einem Seesack mitführen. „Wir durften diese Sachen nicht in den Zug mitnehmen; sie sollten gesondert transportiert werden“, erinnerte sie sich später. Doch auch diese Gegenstände wurden ihr geraubt. „Selbst die Fotos meiner Angehörigen wurden zerrissen und mit der Bemerkung ‚Das brauchst du dort nicht mehr‘ vor meine Füße geworfen“, berichtete sie.
Bereits am 4. Dezember 1941 war die Gestapo in ihrer Wohnung gewesen und hatte Wertgegenstände geraubt. „Nach der Deportation … kam die Gestapo nochmals, um das Zimmer zu durchsuchen. Sie beschlagnahmte die Schreibmaschine und nahm sie mit“, berichtete Hannah Bonnier, die mit ihrem Mann zur Untermiete bei den Sterns wohnte. Der damalige Hausmeister verhinderte, dass auch ihre Heizkohle mitgenommen wurde.

Vom Ghetto Riga in verschiedene Konzentrationslager
Das Ghetto in Riga, in dem die Deportierten leben mussten, wurde im November 1943 aufgelöst. Diejenigen, die als arbeitsfähig galten, wurden in das neu errichtete Konzentrationslager Riga-Kaiserwald überführt. Die als „nicht arbeitsfähig“ eingestuften Menschen wurden nach Auschwitz deportiert.

Als die Rote Armee vorrückte, räumte die SS das KZ Kaiserwald, und die Häftlinge wurden in das KZ Stutthof bei Danzig verlegt. Von dort kam Gertrud Stern in ein Außenlager in Thorn (Toruń). Als dieses im Januar 1945 aufgelöst wurde, trieb man die Gefangenen in einem Todesmarsch in das KZ-Außenlager Bromberg (Bydgoszcz).
Befreiung am 27. Januar 1945
Am 27. Januar 1945 wurde das Außenlager Bydgoszcz durch die Rote Armee befreit – und damit auch Gertrud Sterns Leben gerettet. Da der Krieg noch andauerte, konnte sie nicht sofort nach Hamburg zurückkehren. Erst am 21. Mai 1945 trat sie ihre Heimreise an.