Kundgebung, 15. Juli 2026, 17 Uhr – Erinnerung an Deportation von Juli 1942 über die Schule Schanzenstraße

Am 15. und 19. Juli 1942 wurden über 1.500 Menschen über die Schule Schanzenstraße nach Theresienstadt/ Terezín in der Nähe von Prag deportiert. Nur wenige von ihnen überlebten. Sie mussten sich jeweils am Vortag in der Schule einfinden. Dort wurden ihnen ihre noch vorhandenen finanziellen Mittel geraubt. Ihr Gepäck war zuvor von Spediteuren abgeholt worden – sie sahen es nie wieder.

Einer der damals Verschleppten war Claus Borchardt mit seinen Eltern. Die Familie lebte in der heutigen Helene-Lange-Straße 1 (gegenüber dem Bezirksamt Eimsbüttel in den Grindelhochhäusern). Claus Borchardt wurde über die Schule deportiert, die er bis 1936 besucht hatte, bevor er entlassen wurde, weil er Jude war. Jüdische Kinder durften keine staatlichen Schulen mehr besuchen. Seinen Schulabschluss machte er bis 1941 an der Israelitischen Töchterschule in der Karolinenstraße 35.

Während sein Vater in Theresienstadt ums Leben kam, überlebte seine Mutter das Ghetto. Claus Borchardt wurde später in das KZ Auschwitz deportiert und von dort in ein Außenlager des KZ Dachau verlegt, wo er am 16. Januar 1945 ums Leben kam. Er ist der einzige bekannte Schüler der Schule Schanzenstraße, der über diese Schule deportiert wurde, die er zuvor selbst besucht hatte.

In der heutigen Wahrnehmung der Machtübernahme der Nationalsozialisten gerät oft aus dem Blick, dass sie weder im Reichstag noch in der Hamburgischen Bürgerschaft jemals eine eigene Mehrheit hatten. Erst durch die Unterstützung anderer rechter Parteien konnten sie die Reichsregierung bzw. den Senat bilden. Ob NSDAP oder andere rechte Parteien und militärische Kräfte – sie einte vor allem der Antisemitismus, in dem sie sich gegenseitig überboten. Heute kaum noch bekannt ist, dass Organisationen wie der Stahlhelm oder die Deutschnationale Volkspartei (DNVP) sich selbst als die „wahren Faschisten“ bezeichneten. Für sie galten Jüdinnen und Juden bereits als verantwortlich für die Niederlage des Kaiserreichs im Ersten Weltkrieg.

Über diese Schule wurden rund 1.500 jüdische Menschen deportiert. Junge Menschen aus dieser Schule wurden in der NS-Zeit zwangssterilisiert, weil sie nach der rassistischen Ideologie angeblich das „Erbgut“ des deutschen Volkes schädigten – etwa, weil sie Sinti waren oder als behindert galten. Grundlage dafür waren Verschwörungserzählungen und Kampagnen gegen Minderheiten, die zunächst stigmatisiert und ausgegrenzt wurden, bevor man dazu überging, sie zu deportieren und zu vernichten. 

Wir leben heute in Deutschland in einem demokratischen und sozialen Rechtsstaat. Diese Errungenschaften zu verteidigen, ist ein wichtiger Beitrag gegen Hass und Hetze. Rechte Kräfte setzten darauf, mit ihrem Rassismus, Antisemitismus und Antiziganismus den gesellschaftlichen Zusammenhalt und unsere demokratischen sowie sozialen Werte zu zerstören. 

Mit einer Kundgebung am Mittwoch, den 15. Juli 2026, um 17:00 Uhr vor der Namenstafel der Deportierten am Eingang der heutigen Ganztagsgrundschule Sternschanze (Höhe Altonaer Straße) möchten wir an die NS-Opfer erinnern, die an diesem Tag nach Theresienstadt deportiert wurden.

Wir laden Sie herzlich ein, gemeinsam mit uns der Menschen zu gedenken: Kein Vergessen im Weidenviertel; karostolpert (Karolinenviertel): TEAM SHOSHANA 🌈 PRIDE – JÜDISCH & VIELFÄLTIG –  HAMBURG“ 

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