Albert Rosengarten, Brüggemannsweg 3

Albert Rosengarten wohnte seit 1936 mit seine Tochter Johanna und ihr Mann Julius Falck im Brüggemannsweg. Die Falcks konnten 1939 nach Panama fliehen, Alfred Rosenberg wurde am 15. Juli 1942 über die Schule Schanzenstraße nach Theresienstadt/Terezin deportiert. Er überlebte den Holocaust.

Wer war Albert Rosengarten?

Er wurde am 20. Juli 1875 in Herbede bei Witten, in der Nähe von Bochum, geboren. Seine Eltern waren Julie und Leser Rosengarten. Er erlernte den Beruf des Maschinenschlossers und war bis 1902 als Geselle in einem Unternehmen tätig. Im Mai 1900 heiratete er Ricke Kugelmann. Seit 1902 lebte das Ehepaar in Höringhausen, wo er im selben Jahr ein Textilgeschäft eröffnete. Die Kinder Julius (1902), Thekla (1904), Alfred (1906), Martha (1907), Gerhard (1911–1911) und Johanna (1913) wurden dort geboren.

1936 Umzug nach Hamburg in den Brüggemannsweg 3

Der Ort Höringhausen, der auf eine längere jüdische Geschichte zurückblickte, veränderte sich in der NS-Zeit grundlegend. „Im Jahr 1936 musste ich jedoch mein Geschäft aufgeben, da niemand wagte, meinen Laden zu betreten“, schrieb Albert Rosengarten nach 1945. Nachdem seine Frau Ricke Kugelmann (geb. 1874) bereits 1933 in Höringhausen gestorben war, zog er am 25. Oktober 1936 nach Hamburg in den Brüggemannsweg 3 mit seiner Tochter Johanna (Falck).

Auf seinem Konto befanden sich zu diesem Zeitpunkt noch 770 RM. Seit 1935 bezog er eine Invalidenrente in Höhe von 17,50 RM monatlich, von der er nicht leben konnte, und war auf Unterstützung durch die Fürsorge in Hamburg angewiesen.  Im Februar 1938 zog er mit der Familie seiner Tochter zunächst zur Untermiete in die Haynstraße 20, dann in die Isestraße 67 zur Familie Horwitz und anschließend in die Isestraße 91 zur Familie Levy.

Seine Tochter Johanna Falck konnte 1939 mit ihrem Mann nach Panama fliehen. Da Albert wegen seiner geringen Rente auf öffentliche Unterstützung angewiesen war, arbeitete er ab 1941 als Kirchendiener auf dem Jüdischen Friedhof in Ohlsdorf.

Umzug in ein sogenanntes Judenhaus im November 1941 in der Agathenstraße 3

Im November 1941 musste er auf Anweisung der Gestapo in das „Jonas-Stift“ in der Agathenstraße 3 ziehen. Hierbei handelt es sich um ein von den Nazis bezeichnetes „Judenhaus“. Es war eine Massenunterkunft, in denen jüdische Menschen auf Veranlassung der Gestapo eingewiesen wurden.

Über die Deportation vom 15. Juli 1942 über die Schule Schanzenstraße

Zum 15. Juli 1942 erhielten die Bewohner:innen der Agathenstraße die Anweisung, sich in der damaligen Volksschule Schanzenstraße zu seiner sogenannten „Abwanderung“ einzufinden. Seinen verbliebenen Haushalt musste er in der Agathenstraße 3 zurücklassen. Nach dem erzwungenen Auszug wurde das Zimmer von der Polizei versiegelt. Das Wohnungseigentum wurde abgeholt und durch einen Auktionator versteigert; den Nettoerlös erhielt die Stadt Hamburg. Ella Hermann aus der Agathenstraße 1 erinnerte sich an die wenigen verbliebenen Gegenstände: ein Bett, ein Kleiderschrank, eine Kommode sowie ein Tisch mit Stühlen.

Am Vortag der Deportation mussten sich alle in der Schule – vermutlich in der Turnhalle – einfinden, wo ihnen auch die letzten Wertgegenstände abgenommen wurden. Albert Rosengarten musste 500 RM abgeben. Gegenstände des unmittelbaren Bedarfs waren bereits zuvor von einer Spedition abgeholt worden; die Verschleppten sahen sie nie wieder. Vom 14. auf den 15. Juli 1942 übernachteten die Menschen auf Holzbetten im zweiten und dritten Stock des Schulgebäudes. Am 15. Juli 1942 wurden die Menschen mit Polizeifahrzeugen zum Hannoverschen Bahnhof (heute Hafencity) gebracht und von dort nach Theresienstadt/Terezín deportiert, wo der Transport am 16. Juli 1942 eintraf. In Theresienstadt erkrankte Albert Rosengarten infolge der katastrophalen Lebensbedingungen mehrfach schwer: zweimal an Lungenentzündung, 1943 an einer beidseitigen Hodenentzündung und 1945 an Schwindelanfällen und Herzbeschwerden, die sich zunehmend verschlimmerten. 

Befreiung von Theresienstadt/Terezin im Mai 1945

Im Mai 1945 wurde Terezín von der Roten Armee befreit. Albert Rosengarten war zu diesem Zeitpunkt 70 Jahre alt. Am 30. Juni 1945 kehrte er nach Hamburg zurück und zog wieder in die Agathenstraße 3. Von seinen Kindern wurden Alfred und dessen Partnerin Fanny Stein 1943 in Auschwitz ermordet. Julius, Thekla und Johanna überlebten die Verfolgung. 

Albert Rosengarten starb am 14. Dezember 1955 in Hamburg. Seine Tochter Johanna lebte in Panama, sein Sohn Julius in Wiesbaden, seine Tochter Thekla in Hannover und die Kinder seiner verstorbenen Tochter Martha, in Haifa/Israel.

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