Der heutige Bauspielplatz im Schanzenviertel befindet sich auf Höhe der einstigen Wohnungen der Bartelsstraße 81 bzw. grenzt daran. Bis zur kompletten Zerstörung der ganzen Häuser im Straßenzug im 2. Weltkrieg lebte hier Bertha Dencker mit ihrem Kindern. (es gibt ein Bild im Internet von 1945, wo man auch auf die Bartelsstraße schaut und kein Haus mehr steht). Am 5. Mai 1939 entschied der so genannte Erbgerichtshof, dass Berthold Dencker „unfruchtbar“ zu machen sei, weil er angeblich an „angeborenen Schwachsinn“ erkrank sei.
Um wen geht es?
Berthold Dencker wurde am 25. Oktober 1919 in Hamburg geboren. Er hatte noch zwei Brüder, Werner (geb. 1925) und Kurt (geb. 1928). Letzterer ging auf die Sprachheilschule Altonaer Straße, da er “stotterte”. Ihre Eltern waren Bertha und Gustav. Das Paar trennte sich 1926. Während sie mit ihren Kinder in der Bartelsstraße 81 im 1. Stock wohnte, hatte sein Vater eine Wohnung in der Bremer Reihe 15. Alle hatten weder in der Weimarer Republik, noch in der NS-Zeit leichte Lebensbedingungen.
Berthold wurde auf der heute zur Schule Schanzenstraße gehörende Schule Ludwigstraße eingeschult und kam später auf die sogenannte Hilfsschule Bundesstraße 94.

Nach einem guten Schulabschluss Ostern 1934 wurde er in eine berufliche Schule für Jugendliche eingeschult. Hier sollte er auf (zwangsweise) eine Bäckerlehre vorbereitet werden. Nach einem Jahr verließ er diese Schule und wurde dem Arbeitsamt gemeldet. Das stellte 1935 vermutlich beim Gesundheitsamt einen Antrag auf Überprüfung einer„Unfruchtbarmachung“.
Seine Mutter hatte wiederholt den Vorladungen zum so genannten Erbgerichtshof nicht Folge geleistet. Zum 17. November 1938 wurde er zwangsweise ins Hafenkrankenhaus eingewiesen.
Ein Dr. Schwarke führte die Beurteilung durch und schrieb ein Gutachten, in dem er zum Schluß kam, dass bei Berthold die „Voraussetzungen für eine Sterilisation“ vorlegen. Bei ihm handelt es angeblich um „angeborenen Schwachsinn“.

Was passierte mit Berthold Dencker?
Am 5. Mai 1939 fasste das „Erbgesundheitsgericht“ den Beschluss, Berthold Dencker wegen „angeborene Schwachsinn“ gegen seinen und den Willen seiner Eltern zu sterilisieren. Dem Beschluss lag das sogenannte Gutachten von Dr. Schwarke des Hafenkrankenhauses vor. Da Bertholds Opa sich suizidiert hätte, sein Vater ein „Trinker“ gewesen (die Ehe wurde 1926 geschieden), seine Mutter irgendwie „minderbemittelt“ sei, er die Hilfsschule abgeschlossen hatte und den Eindruck eines eher abwesenden Menschens hinterließ, diagnostizierte er den „angeborenen Schwachsinn“.

Dabei spielte es keine Rolle, dass er einen guten (Hilf)Schulabschluss hatte und als Portier im Edelhotel „Vier Jahreszeiten“ arbeitete, dass seine seine Leistung als gut beurteilte. Die Motive der Nazis bzw. ihrer Vollstrecker waren gegen Arme und kranke Menschen gerichtet, die nicht ihren Vorstellungen entsprechen. Sie waren auch rassistische und antisemitisch begründet.
Während der Verhandlung erklärte sein Vater, dass er die Sterilisation als „nicht erforderlich“ ansehe. Am 15. Mai 1939 beschloss das Erbgesundheitsgericht, Berthold sterilisieren. Gegenüber dem Gericht erklärte der Vater, dass er mit der Entscheidung nicht einverstanden sei. Nach der Entscheidung legte sein Vater Beschwerde ein: „Mein Sohn ist nicht schwachsinnig, er ist vielleicht ein bischen zurückgeblieben“, so sein Vater in seiner Beschwerde vom 5. Juni 1939. Leider konnte nicht geklärt werden, ob Berthold überlebt hatte. Er war als Soldat zur Wehrmacht eingerufen worden. Nach 1945 fanden ich keine Spuren von ihm mehr in Hamburg gefunden. Das NS-Regime war erledigt.