Pauline Bachrach, Hartungstraße 8

Pauline Bachrach wurde am 10. Februar 1917 in Hamburg geboren. Ihre Eltern waren Gretchen Sealtiel (geb. 1889) und Hermann Bachrach (geb. 1876). Hermann Bachrach war Tabakmakler und hatte sein Büro im Cremon 11 gegenüber der Speicherstadt. Die großen Rohtabaklager befanden sich unter anderem am Kehrwieder, am St. Annenufer und in anderen Straßen des Hamburger Freihafens.

Pauline hatte vier Geschwister: Joseph (geb. 1908), Herbert (geb. 1909), Helga (geb. 1913) und Inge (geb. 1920). Die Familie Bachrach wohnte ab 1936 in der Hartungstraße 8 im Erdgeschoss rechts. Während ihr Bruder Herbert bereits 1931 beruflich in die Niederlande gezogen war, blieben ihre Eltern und Geschwister zunächst in Hamburg. Der Machtantritt der NSDAP im Bündnis mit zwei anderen rechtskonservativen Parteien – der DNVP und dem Stahlhelm, die sich selbst als die „wahren Faschisten“ bezeichneten – führte zu einem grundlegenden Wandel. Aus der Hetze gegen jüdische Menschen wurde mit den Nürnberger Gesetzen eine gesetzlich verankerte Ausgrenzung. Bereits 1933 wurden jüdische Menschen aus dem Staatsdienst entlassen.

Folgen der Novemberpogrome 1938
Die Novemberpogrome vom 9. bis 11. November 1938 wirkten sich auch auf die Familie Bachrach aus. Hermann Bachrach, der Vorsteher der Bornplatzsynagoge (Gabbai) war, und sein ältester Sohn Joseph wurden von der Hamburger Polizei festgenommen und in das KZ Sachsenhausen gebracht. Im Dezember 1938 wurden sie mit der Aufforderung entlassen, Deutschland zu verlassen. Während Joseph nach Palästina emigrierte, flohen die Eltern mit ihrer Tochter Inge nach Hilversum in die Niederlande. Pauline blieb in Hamburg, da sie Krankenschwester im Israelitischen Krankenhaus (IKH) war. Ingeborg, ihre jüngere Schwester, war bis zu ihrer Flucht in die Niederlande 1938/39 Lernschwester im Israelitischen Krankenhaus.

Ab 1936 war jüdischen Jugendlichen der Besuch staatlicher Schulen nicht mehr möglich, sodass eine Ausbildung nur noch in Einrichtungen der jüdischen Gemeinde möglich war. Das Israelitische Krankenhaus betrieb ein Schwesternheim in der Eckernförderstraße 4 (heute Simon-von-Utrecht-Straße) neben dem Krankenhaus. Die Konzession für die Schwesternschule wurde vom NS-Staat erteilt.

Nach dem Auszug der Familie Bachrach aus der Hartungstraße 8 lebte Pauline seit 1939 in der Beneckestraße 6. Neben dem jüdischen Altersheim wohnten dort auch Schwestern des Israelitischen Krankenhauses, das seit Ende 1939 seinen Standort in der Johnsallee 54 hatte. Mit ihr lebten dort unter anderem die Krankenschwestern Ella Michel und Charlotte Brauer. Zum Zeitpunkt ihrer Deportation im Juli 1942 wohnte Pauline in der Rutschbahn 25, wo heute ein Stolperstein an sie erinnern soll.

Deportation am 19. Juli 1942 über die Schule Schanzenstraße
Am 18. Juli 1942 mussten sich die Deportierten in der Schule Schanzenstraße einfinden. Fast alles, was sie noch bei sich hatten, wurde ihnen von Beamten abgenommen. Sie verbrachten die Nacht im zweiten und dritten Stock der Schule und wurden am 19. Juli 1942 von der Polizei in Mannschaftswagen zum Hannoverschen Bahnhof transportiert. Von dort fuhr der Zug nach Theresienstadt und kam am 20. Juli 1942 dort an. Aus den Unterlagen geht hervor, dass Pauline dort in der Bahnhofsstraße 23 lebte.

Im Oktober 1944 vom Ghetto Terezín in das KZ Auschwitz
Am 4. Oktober 1944 wurde Pauline mit 1.500 Menschen in das KZ Auschwitz deportiert, von denen nur 168 überlebten. Am 6. Oktober 1944 traf der Transport in Auschwitz ein. Mehrere hundert Jungen und arbeitsfähige Menschen, darunter 271 Frauen, wurden in ein Durchgangslager eingewiesen. Die anderen wurden unmittelbar nach der Ankunft in den Gaskammern ermordet.

Letzter Lebensort: das KZ Bergen-Belsen
Ende 1944 räumte die SS die KZ-Außenlager an der deutschen Ostfront und transportierte die Menschen vor allem in die Konzentrationslager Bergen-Belsen, Dachau und Mauthausen. Pauline Bachrach kam nach Bergen-Belsen, wo sie ums Leben kam.

Vor der Rutschbahn 25 liegt ein Stolperstein. Hier war zum Schluß vor der Deportation ihr Lebensort.

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