Erna und Jenny Taeger, Eppendorfer Weg 61

Erna Taeger wurde am 22. Mai 1915 in Hamburg geboren. Sie lebte mit ihren Eltern Jenny Mahler und Erich Taeger zunächst in der Feldstraße 53 im Karolinenviertel. Ihre Schwester Gertrude war bereits am 7. September 1913 geboren. Ihr Vater starb im Ersten Weltkrieg im April 1918. Erna besuchte die Israelitische Töchterschule in der Karolinenstraße 35, die nicht weit von der damaligen Wohnung der Familie entfernt lag.

Umzug in den Eppendorfer Weg 61

Nach Abschluss der Schule begann sie eine Ausbildung zur Kauffrau. 1930 zog Jenny Taeger mit ihren beiden Kindern in den Eppendorfer Weg 61 in das Hinterhaus. Dort bewohnten sie eine Drei-Zimmer-Wohnung im zweiten Stock. Die Häuser trugen damals den Namen „Brumme’s Wohnungen“. Es handelte sich um fünf zweistöckige Hinterhäuser. Davor lag das Vorderhaus Eppendorfer Weg 59. Im benachbarten Hinterhof (Eppendorfer Weg 65 a/b) befand sich eine Volksschule für Mädchen, die 1943 zerstört wurde. Auf der Straßenhöhe gab es unter anderem ein Buttergeschäft (Eppendorfer Weg 67), eine Filiale des Brotverkaufs von Elbe, Hecke & Co. (Eppendorfer Weg 63) sowie die Schlachterei Hölting im Eppendorfer Weg 59.

Nach dem Umzug schloss Erna ihre Ausbildung ab und arbeitete als Buchhalterin. Sie hatte verschiedene Arbeitgeber, was auch mit der nationalsozialistischen Machtübernahme ab 1933 zusammenhing. Jüdische Menschen wurden aus öffentlichen Unternehmen entlassen. Das NS-Regime setzte auch private Unternehmen unter Druck, sich von jüdischen Beschäftigten zu trennen. Erna Taeger arbeitete längere Zeit bei der Firma John Hess Spielwaren, die ein „Spielwaren-Musterlager“ im Hamburger Levantehaus (Mönckebergstraße 7) hatte. Da es sich um ein jüdisches Unternehmen handelte, wurde der Betrieb 1938 im Zuge der nationalsozialistischen Rassenpolitik „arisiert“. Beschäftigte wie Erna Täger verloren ihre Arbeit. Bis März 1942 fand sie noch eine Beschäftigung als Buchhalterin bei den Norddeutschen Düngekalk GmbH.

Unterstützung der Mutter im Eppendorfer Weg

Ihre Mutter Jenny war während der NS-Zeit arbeitslos und musste von der Rente ihres verstorbenen Mannes in Höhe von 90 Reichsmark leben. Erna unterstützte sie zusätzlich mit monatlich 90 Reichsmark. Nach 1945 schrieb Jenny Täger, dass sie trotz der Verfolgung und Ausgrenzung während der NS-Zeit im Eppendorfer Weg 61 gut in der Drei-Zimmer-Wohnung gelebt habe. Auch ihre Tochter Gertrude wohnte wiederholt dort. Sie verbrachte jedoch den größten Teil der NS-Zeit in Heimen.

Deportation am 19. Juli 1942 über die Schule Schanzenstraße

Der Deportationsbefehl zur sogenannten „Evakuierung“ von Hamburg nach Theresienstadt wurde Erna und ihrer Mutter in den Eppendorfer Weg 61 zugestellt. Gertrude lebte zu diesem Zeitpunkt in einem sogenannten „Judenhaus“ in der Schäferkampsallee 25/27. Sie wurde bereits am 15. Juli 1942 deportiert. Erna und ihre Mutter Jenny wurden am 19. Juli 1942 über die Schule Schanzenstraße nach Theresienstadt/Terezín in der Nähe von Prag deportiert.

Ermordung in Auschwitz

Ende September/Anfang Oktober 1944 wurden Tausende Häftlinge des Ghettos Theresienstadt nach Auschwitz transportiert. Am 9. Oktober 1944 wurden Erna und Gertrude in zwei getrennten Transporten nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.

Jenny blieb im Ghetto Theresienstadt und erlebte die Befreiung durch die Rote Armee im Mai 1945. Ende Juli 1945 kehrte sie nach Hamburg zurück und lebte zunächst in der Bornstraße 22. Am 15. Juni 1947 starb sie in Hamburg.

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