Hans Wendpap, NSDAP-Mitglied und Lehrer an der Schule Schanzenstraße

Hans Wandpap, ein ehemaliger Lehrer an der Schule Schanzenstraße, war seit 1937 Mitglied der NSDAP und unterrichtete damals an der dortigen Sprachheilschule.

1962 verfasste er das üble Pamphlet „40 Jahre Dienst an sprachkranken Kindern“, das über seine Rolle, Haltung und Verantwortung in der NS-Zeit hinwegtäuschen sollte. Es diente auch dazu, andere NS-Täter im Schul- und Gesundheitsdienst des damaligen „Sonderschulwesens“ reinzuwaschen.

Bei der selektiven Recherche zu einzelnen Schüler:innen der Sprachheilschule ab 1933 stieß ich auf zwangssterilisierte NS-Opfer, die aufgrund ihrer Behinderung angeblich das „deutsche Erbgut“ schädigten. Ich fand einen jüdischen Schüler, der 1936 die Schule verlassen musste und am 19. Juli 1942 über die Schule nach Theresienstadt deportiert wurde. Zudem fand auch  zwangssterilisierte Schüler aus der Stiftstraße 69, einer weitere Sprachschule.

Die Ärzte, mit denen in der NS-Zeit zur „Beurteilung“ von Sprachstörungen an der Schule Schanzenstraße zusammengearbeitet wurde, waren ausnahmslos Täter im weißen Kittel. Die Sprachschule in der Altonaer Straße/Schanzenstraße arbeitete bei der „Beurteilung“ der Schüler:innen mit Dr. Kreyenberg, Prof. Dr. Oehlecker, Prof. Dr. Fabian, Dr. Kurt Steinbach u.a. zusammen. Die genannten Ärzte waren schon frühzeitig in der NSDAP. Die Stadt Hamburg hat sich dieses Themas vor einigen Jahren angenommen und die Namen zu Recht aus dem öffentlichen Ehrengedächtnis entfernt.

Kinder mit Lippen-Kiefer-Gaumenspalten waren während der NS-Zeit auch in den Sprachheilschulen. Wandpap spricht von 8 Prozent. Bekanntlich wurden auch sie Opfer von Zwangssterilisationen. Wendpap behauptete 1962, das Gesundheitssystem – also die Ärzte – habe diesen Kindern vor der Aufnahme in die Schule geholfen. Wie, das erwähnte er nicht. Er betonte immer wieder, wie toll die Zusammenarbeit der Lehrer mit den Schulärzten war. In einem Fall in der Zeit der Sprachschule in der Schanzenstraße habe ich die Begründung für die Zwangssterilisation gelesen. Glaubt man der Darstellung, war die gesamte Familie bestimmt als „schlimme Menschen“, so dass der medizinische Eingriff das „Böse“ zum Nutzen der Gesellschaft korrigiert.

Bei der Recherche zu den Lehrkräften der Sprachheilschule Schanzenstraße fiel zudem auf, dass nach 1945 am Standort Karolinenstraße 35 sieben der neun Lehrer:innen vorher Mitglieder der NSDAP gewesen waren. Fritz Köhne, vor und nach 1945 Oberschulrat und ebenfalls NSDAP-Mitglied, hatte ihnen mit den Weg geebnet. 

In der Karolinenstraße 35 befand sich bis Mai 1942 die Israelitische Töchterschule. Der NS-Staat raubte sie der jüdischen Gemeinde. In Wendpaps Darstellung von 1962 spielt dies jedoch keine Rolle. Er diffamierte in seinem Text auch die 1945 in der Schule untergebrachten NS-Zwangsarbeiter.

Im Grundsatz ist das alles nicht neu. Dass Wandpap Mitglied der NSDAP war, mag eine neue Erkenntnis sein – angesichts der Vielzahl ehemaliger NS-Lehrer:innen nach 1945 überrascht es jedoch kaum. Und doch: In der Verbandszeitschrift des dgs gab es im Jahr 2000 eine Debatte darüber, warum Wendpap trotz seines Wissens um den Raub der Israelitischen Töchterschule zu Lebzeiten nichts unternahm, um daran zu erinnern. Als Erklärung hieß es, er sei „ein netter Kerl“ gewesen und habe es nicht absichtlich unterlassen.

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