Hinter der Gärtnerstraße 96 (heute “Burger-Legends”) befanden sich in den 1930er Jahren vier zweistöckige Häuser. Ihnen gegenüber standen – ebenfalls hinter der Gärtnerstraße 94 (heute “Pflegepartner”) – fünf weitere zweistöckige Häuser.

Damals befanden sich im Vorderhaus zwei Ladengeschäften in der 94, eine Zoohandlung (Schotmann) und eine Fischhandlung (Clasen). Ein Gemüsehändler (Willoweit) hatte sein Geschäft im Erdgeschoss der Nummer 96.


Im Zweiten Weltkrieg wurden diese Straßenzüge bombardiert und auch die Häuser in der Gärtnerstraße 94/96 zerstört. Ende der 1950er Jahre wurden die heutigen (Hinter)Wohnhäuser in der Gärtnerstraße 92ac/96ac wieder aufgebaut.


Wer war Louis Abraham?
Louis Abraham wurde am 1. August 1864 in Hamburg geboren. Er war mit Hanna Mühlhausen verheiratet. Das Ehepaar hatte zwei Töchter: Flora (geb. 1896) und Erna (gebor. 1886). Seit 1908 wohnte die Familie in einer Drei-Zimmer-Wohnung in der Gärtnerstraße 94. Davor hatte sie in der Rappstraße 5 im Hamburger Grindelviertel gelebt. Louis Abraham arbeitete als Handelsvertreter. Seine Frau Hanna starb im Februar 1932. Die Töchter lebten zunächst mit ihren Familien eigenständig: Erna und Martin Glück in der Kegelhofstraße 28, Flora und Louis Schweizer in der Gärtnerstraße 96. Ab 1933 lebten sie wieder gemeinsam mit ihrem Vater in der Gärtnerstraße 94. Die Familie Schweizer hatte einen Sohn, Rolf. Im Frühjahr 1939 emigrierte sie in die USA. Erna und Martin Glück konnten im Frühjahr 1941 ebenfalls fliehen.
Wer war Louis Abraham?
Louis Abraham wurde am 1. August 1864 in Hamburg geboren. Er war mit Hanna Mühlhausen verheiratet. Das Ehepaar hatte zwei Töchter: Flora (geb. 1896) und Erna (gebor. 1886). Seit 1908 wohnte die Familie in einer Drei-Zimmer-Wohnung in der Gärtnerstraße 94. Davor hatte sie in der Rappstraße 5 im Hamburger Grindelviertel gelebt. Louis Abraham arbeitete als Handelsvertreter. Seine Frau Hanna starb im Februar 1932. Die Töchter lebten zunächst mit ihren Familien eigenständig: Erna und Martin Glück in der Kegelhofstraße 28, Flora und Louis Schweizer in der Gärtnerstraße 96. Ab 1933 lebten sie wieder gemeinsam mit ihrem Vater in der Gärtnerstraße 94. Die Familie Schweizer hatte einen Sohn, Rolf. Im Frühjahr 1939 emigrierte sie in die USA. Erna und Martin Glück konnten im Frühjahr 1941 ebenfalls fliehen.
Über die jüdischen Hauseigentümer der Gärtnerstraße 94/96
Die jüdischen Grundeigentümer der Häuser Gärtnerstraße 94/96, die Familie Jenny Klemperer, konnten ebenfalls 1939 fliehen und in die USA emigrieren. Ihnen gehörten auch die Häuser in der heutigen Heckscher Straße 4/6, damals Düppelstraße 6. In der NS-Zeit mussten jüdische Grundeigentümer ihre Häuser unter dem Druck des NS-Systems verkaufen. Die Nationalsozialisten bezeichneten diesen Raub in ihrer Propaganda als „Arisierung“. Eigentümer sollten demnach nur Menschen mit „deutschem Blut“ sein.
Zwangseinweisung ins „Judenhaus“ in der Agathenstraße 3
1939 wurde das Wohnrecht jüdischer Menschen massiv eingeschränkt. Gemeindebehörden konnten Wohnungen für nichtjüdische Haushalte freimachen lassen und jüdische Mieter:innen in beengte Räume einweisen. In der Praxis bedeutete dies häufig, dass Betroffene ihre Wohnung kurzfristig verloren. Louis Abraham musste im Juni 1939 in den Marktweg 3 im Hamburger Karolinenviertel umziehen und wohnte dort zur Untermiete.
Im Februar 1942 musste Louis Abraham vom Marktweg 3 in die Agathenstraße 3 ziehen. Ursprünglich waren hier um die Jahrhundertwende kostenlose Stiftswohnungen entstanden, die vor allem an mittellose jüdische Frauen vergeben wurden.In der NS-Zeit wurden diese Wohnungen umfunktioniert. Die Nationalsozialisten bezeichneten solche Häuser als „Judenhäuser“, in die Jüdinnen und Juden ab Februar 1942 zwangsweise eingewiesen wurden. Dort mussten sie auf engstem Raum leben. Diese Häuser dienten der Kontrolle, Ausgrenzung und Vorbereitung der Deportationen.
Was wurde aus Louis Abraham?
Louis Abraham musste sich am 18. Juli 1942 in der Volksschule Schanzenstraße einfinden. Dort wurden ihm seine letzten Habseligkeiten abgenommen. Eine Nacht musste er in den Schulräumen verbringen. Am 19. Juli 1942 wurde er zusammen mit mehr als 700 Menschen mit Polizeiwagen zum Hannoverschen Bahnhof in Hamburg (heute Hafencity, hinter dem SPIEGEL-Gebäude) gebracht. Von dort wurden sie mit einem Zug nach Theresienstadt deportiert.Nach der Abfahrt dieses Zuges erklärten die Nationalsozialisten Hamburg für „judenfrei“. Mit dem Grenzübertritt aus Deutschland in die damalige Tschechoslowakei wurde Louis Abraham die deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt.
Über Theresienstadt/Terezín
Theresienstadt war ursprünglich eine Garnisonstadt in der Nähe von Prag und liegt an der Elbe. Ab 1941 machten die Nationalsozialisten den Ort zu einem Ghetto, das insbesondere für ältere Jüdinnen und Juden genutzt wurde. Gleichzeitig diente es als Sammel- und Durchgangslager für weitere Deportationen in Vernichtungslager wie Auschwitz. Hunger, Krankheiten und die katastrophalen Lebensbedingungen führten dazu, dass viele Menschen bereits dort starben.
Louis Abraham starb am 21. September 1942 in Theresienstadt.