Regina van Son (geborene Oettinger)

Regina van Son ist eine der Deportierten vom 15. Juli 1942, die sich bereits am Vortag in der Schule Schanzenstraße einfinden mussten. Angehörige aus Israel und den USA haben sich heute an der Namenstafel der Deportierten in der Altonaer Straße 38 getroffen.

Regina Oettinger wurde am 14. Juni 1880 in Hamburg geboren. Ihre Eltern, Emma Jaffe und Heimann Oettinger, wohnten damals mit ihren Geschwistern in den Hohen Bleichen 46. Insgesamt waren es neun Kinder. Regina war die Jüngste und wurde später als „Nesthäkchen“ bezeichnet. Sie wuchs in einem gebildeten Elternhaus auf, war musikalisch und widmete sich der Malerei. Ihr Vater Heimann betrieb einen erfolgreichen Rohtabakhandel und besaß die Hamburger Staatsbürgerschaft, die im 19. Jahrundert nur etwa 25 Prozent der in Hamburg lebenden Menschen innehatten. Der Erwerb der Staatsbürgerschaft hing von wirtschaftlichen Voraussetzungen und weiteren Statusfragen ab.

1906 heiratete sie Hugo van Son und lebte mit ihm in der Hansastraße 38. Das Paar hatte drei Kinder: Ilse (geb. 1907), Herbert (geb. 1908) und Manfred (geb. 1916). Später, im Jahr 1932, zog die Familie aufgrund wirtschaftlicher Einbußen in die Binderstraße 13 um. Beide Wohnorte lagen im Grindelviertel. Regina und Hugo gehörten dem orthodoxen Synagogenverband an, der das religiöse Leben der Gemeinde organisierte und prägte. Regina engagierte sich im Israelitischen Frauenverein für Krankenpflege und gehörte dessen Vorstand an. Dabei handelte es sich um eine jüdische Wohltätigkeits- und Fürsorgeorganisation der Deutsch-Israelitischen Gemeinde.

Am 3. Oktober 1936 starb Hugo van Son. Ab April 1939 war Regina gezwungen, zur Untermiete in der Hartungstraße 12 zu wohnen. Mit der Planung der großen Massendeportationen in Hamburg im Juli 1942 mussten fast alle jüdischen Menschen – soweit sie nicht mit Personen aus der Mehrheitsgesellschaft verheiratet waren – in sogenannte „Judenhäuser“ umziehen, über die die Deportationen organisiert wurden. Regina zog in die Bogenstraße 25, in das Z.H.-May- und Frauenstift. Dabei handelte es sich ursprünglich um einen Wohnstift, das Freiwohnungen für jüdische Gemeindemitglieder bereitstellte. Das Haus besteht bis heute.

Am 14. Juli 1942 musste sie sich in der Schule Schanzenstraße einfinden. Am 15. Juli wurde sie zusammen mit den anderen Deportierten in einem Polizeiwagen zum Hannoverschen Bahnhof gebracht. Über ihn wurden in der Zeit von 1941 bis 1945 die Deportationen der jüdischen Menschen sowie der Sinti und Roma organisiert.

Sie war nach ihrer Ankunft im Ghetto in der Dresdner Kaserne (auch als Gebäude HV oder C I bezeichnet) untergebracht. Sie diente im Ghetto als riesige, völlig überbelegte Massenunterkunft für Frauen und war berüchtigt für extreme Überbelegung, mangelhafte hygienische Zustände und unzureichende Verpflegung, was insbesondere bei den älteren Menschen innerhalb kürzester Zeit zu massiver Entkräftung und Krankheiten führte.

Regina van Son starb am 7. Oktober 1942 im Ghetto Theresienstadt/Terezín.

Ihr Sohn Manfred van Son konnte einen großen Teil dieser Korrespondenz bewahren. Er stellte die Briefe später Jürgen Sielemann für eine Veröffentlichung zur Verfügung, um das Schicksal seiner Mutter zu dokumentieren. Es handelt sich dabei um Briefe aus den Jahren 1941 und 1942 – persönliche Schriftzeugnisse, die Regina während der Zeit der nationalsozialistischen Verfolgung an ihre Familie schrieb. Die Briefe waren an ihre Kinder und andere Verwandte gerichtet. Unter den Empfängern waren ihr Sohn Manfred in London, ihre Tochter Ilse in Südfrankreich sowie ihre Schwägerinnen Claire und Recha und ihr Neffe Herbert in den Niederlanden.

Trotz der Postzensur und der gefährlichen Lage gelang es Regina durch „glückliche Umstände“, den Kontakt zu ihren Kindern im Ausland aufrechtzuerhalten. Briefe an ihren Sohn Manfred in England wurden beispielsweise häufig über Käthe Vaucher in Basel geleitet, die sie anschließend nach London weitergab.

Diese Dokumente gelten als seltene Zeugnisse, da nur sehr wenige persönliche Aufzeichnungen von Opfern der Hamburger Deportationstransporte erhalten geblieben sind.

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