Gertrude Taeger wurde am 15. Juli 1942 über die Schule Schanzenstraße nach Theresienstadt/Terezin deportiert.

Im Mai 1942 war sie von dem Mädchenheim Alexanderstraße in das „Judenhaus“ in der Schäferkampsallee 25/27, einem ehemaligen jüdischen Pflegeheims, verlegt worden. Von 1937 bis zum Mai 1942 war sie in das evangelische Mädchenheim Alexanderstraße 21/23 eingewiesen worden.
Gertude Taeger wurde 1913 in Hamburg geboren
Gertrude Taeger war am 7. September 1913 in Hamburg geboren. Seit der Geburt hatte sie einen verkürzten Arm. Ihre Eltern waren Jenny Mahler (geb.1888) und Erwin Taeger. Das Paar hatte noch eine weitere Tochter, Erna (geb. 1915). Erna und Gertrudes Vater starb 1918 im 1. Weltkrieg. Die Familie wohnte zum Zeitpunkt in der Feldstraße 53, im Hamburger Karolinenviertel. Nach dem Tod ihres Vaters lebte sie von 1918 bis 1920 in Celle bei den Großeltern.
Bis 1930 lebte sie mit ihrer Schwester und Mutter in der Feldstraße 53 im Karolinenviertel
Nach Hamburg zurück besuchte sie die Israelitische Töchterschule. Bis Anfang 1930 lebte sie mit ihrer Schwester bei ihrer Mutter in der Feldstraße 53 und fand Unterstützung in der Haushaltsschule in Bad Segeberg. Es wurden verschiedene Versuche unternommen, trotz ihrer psychischen Behinderung ihr eine Qualifizierung zu verschaffen, die ihr ein unabhängiges Leben ermöglichen sollte. So kam sie 1932 noch einmal ins Heim des Jüdischen Frauenbunds in Neu-Isenburg, um ihr zu helfen, haushaltliche Aufgaben zu vermitteln. Die Schwestern bestätigen ihr, dass sie sich positiv entwickelt hätte.
Mit der Machtübernahme der Nazi 1933 änderte sich für die schwachen und kranken alles. Dafür steht insbesondere das Gesetz zur Sterilisation von 1933. Die Fürsorge bezeichnete sie 1935 als „milieu geschädigtes Mädchen“, was im krassen Widerspruch zu den bisherigen Berichten stand. Durch ihr Leben im Heim gehörte sie für das NS-System zum „Ballast“, der nicht ihren ideologischen Zielen entsprach. Die Fürsorgeberichte veränderten sich von der Erzählung und Darstellung zur Spekulationen, zur Stigmatisierung, extrem sexistisch und frauenfeindlichen Ausgrenzungen.
Misshandlung im AK Barmbek
1935 sollte sie wieder von einem Heim nach Hause zur Mutter ziehen. Die Fürsorge verweigerte sich dem und lies sie erst ins Versorgungsheim Farmsen einweisen, um ein Gutachten für ihre Zwangssterilisation zu bekommen, dass eine Voraussetzung für einen gerichtlichen Beschluss war. Im Mai 1936 wurde sie im AK Barmbek misshandelt. Insgesamt betraf etwa ein Zehntel aller in Hamburg vorgenommenen Zwangssterilisationen Bewohnerinnen und Bewohner des Versorgungsheims Farmsen.

Vorübergehend lebte Gertrude seit September 1936 wieder bei ihrer Mutter. Für vier Monate fand sie eine feste Einstellung als Hausangestellte in einem Privathaushalt 1936/37, wo sie auch wohnte. Im Mai 1937 wurde eine staatliche Vormundschaft beschlossen und sie kam ins Abendroth-Haus (Hammer Landstraße).
Einweisung ins Mädchenheim in der Alexanderstraße in Hamburg-St.Georg
Seit Oktober 1937 musste sie im evangelischen „Mädchenheim“ Alexanderstraße 21/23 leben. Hier versuchte sie, zu überleben.

Im Mai 1942 wurde sie von dort in das sogenannte Judenhaus in der Schäferkampsallee 25/27 verlegt. Dies war bereits die Vorbereitung der Deportationsplanung im Sommer 1942.
Deportation am 15. Juli 1942 über die Schule Schanzenstraße
Ihre Mutter, Jenny, und ihre Schwester, Erna Taeger, lebte zum Zeitpunkt des „Deportationsbeschlusses“ im Eppendorfer Weg 61, wo die beiden 1930 von der Feldstraße 53 hingezogen waren. Während Gertrude am 15. Juli 1942 über die Schule Schanzenstraße deportiert wurde, erfolgte sie bei Jenny und Erna am 19. Juli 1942 über die Schule. Die beiden Schwestern wurden am 9. Oktober 1944 nach Auschwitz verschleppt, wo sie ermordet wurden. Jenny Taeger erlebte die Befreiung Terezin durch die Rote Armee und kam zurück nach Hamburg. Sie starb am 15. Juni 1947 mit 59 Jahren in ihrer Geburtsstadt.
Schäbiges Verhalten der Stadt Hamburg nach 1945
Wie die damalige Stadt bzw. ihre Behörden mit den NS-Opfern umging, zeigte sich in dem Entschädigungsanträgen. Bereits im Oktober 1945 hatte sich Jenny Taeger um alle alle Unterlagen aus Raub des Haushalts im Eppendorfer Weg 61 bemüht und entsprechende Anträge gestellt. Da sie zwischenzeitlich verstorben war, wurde der Vorgang nicht mehr bearbeitet. Erst 1961 meldeten sich die Schwester, Paul Lesser. Und wieder mussten die Opfer alles erledigen, vom Amt wurde nur überprüft, aber kein aktiver Beitrag geleistet. Bezeichnend ist bei der Klärung des damals geraubten Haushalts im Eppendorfer Weg, dass die Familie aufgefordert wurde, die neue Adresse der Hauseigentümers Lüders zu ermitteln, da die von der Familie angegeben Adresse unbekannt zurückkam.